Festnahme nach Bombenalarm in Bonner Hauptbahnhof

Dienstag, 11. Dezember 2012, 18:48 Uhr
 

Düsseldorf/Berlin (Reuters) - Nach dem Bombenalarm im Bonner Hauptbahnhof hat die Polizei einen Verdächtigen festgenommen und einen weiteren zur Fahndung ausgeschrieben.

Medienberichten zufolge handelt es sich bei dem gefassten Mann um den Salafisten Omar D., der bereits 2008 auf dem Flughafen Köln/Bonn unter dem Verdacht festgenommen worden war, in den sogenannten Heiligen Krieg ziehen zu wollen. Nach Angaben der Kölner Polizei ist weiter unklar, ob die auf dem Bonner Hauptbahnhof abgestellte Tasche eine zündfähige Bombe enthielt. Spiegel Online berichtete, in dem Gepäckstück hätten sich Butangas, Ammoniumnitrat, ein Metallrohr sowie ein Wecker und Batterien befunden. Ammoniumnitrat ist in Dünger enthalten und wird zur Herstellung von Sprengstoff verwendet. Die Bundesanwaltschaft, die bei Terrorismus zuständig ist, zog den Fall jedoch zunächst nicht an sich. Sie stehe in engem Kontakt zu den Behörden vor Ort, sagte ein Sprecher lediglich.

Omar D.s Anwalt Mutlu Günal bestätigte die Festnahme seines Mandanten, machte zum Tatvorwurf jedoch keine Angaben. Die Staatsanwaltschaft Bonn und die Kölner Polizei wollten die Festnahme nicht kommentieren. "Wir ermitteln landesweit in alle Richtungen und wollen uns nicht einseitig festlegen", betonte ein Sprecher der Kölner Polizei.

Die Behörden schrieben zudem nach einem Hinweis eines 14-jährigen Schülers einen Mann zur Fahndung aus. Der Schüler berichtete den Ermittlern zufolge, dass ein dunkelhäutiger Mann die Tasche abgestellt habe. Der Schüler habe den möglichen "Ableger" der Tasche als 30 bis 35 Jahre alt und etwa 190 Zentimeter groß beschrieben.

Die "Bild"-Zeitung hatte berichtet, die Polizei gehe von einer Bombe aus und fahnde nach zwei mutmaßlichen Salafisten. Die Männer seien dringend verdächtig, die Tasche am Montag auf dem Bahnhof deponiert zu haben.

Der Salafismus beruft sich auf eine reaktionäre Auslegung des Islams und gilt als die am schnellsten wachsende Strömung in der islamistischen Szene. Für junge Muslime oder Konvertiten ist der Salafismus häufig eine Zwischenstation auf dem Weg in den Dschihad. In Deutschland werden bis zu 4000 Menschen dem Umfeld der Salafisten zugerechnet. Die Sicherheitsbehörden zählen rund 25 von ihnen, die bereits eine Ausbildung in Camps absolviert haben, zu den sogenannten Gefährdern, denen man einen Anschlag zutraut.

Nordrhein-Westfalen verfügt über eine aktive Salafisten-Szene. Im Frühjahr sorgten zwei Salafisten in Bonn mit einer Messer-Attacke auf Polizisten am Rande einer Demonstration für Aufsehen. Zwei Beamte wurden dabei schwer verletzt. Zudem gerieten Salafisten durch die Verteilung kostenloser Korane und wegen des Mordaufrufs gegen Journalisten und Anhänger der rechtsextremen Partei Pro NRW in die Schlagzeilen. Zuletzt erhöhten die Sicherheitsbehörden den Druck auf die gewaltbereite Salafisten-Szene, indem sie im Sommer die Vereinigung Millatu Ibrahim im nordrhein-westfälischen Solingen verbat. Gegen zwei weitere salafistische Gruppen wurden Ermittlungen eingeleitet.

ERINNERUNGEN AN SOMMER 2006

Im Sommer 2006 hatten zwei Islamisten zwei Kofferbomben auf dem Kölner Hauptbahnhof in Regionalzügen deponiert. Beide Sprengkörper explodierten wegen technischer Mängel nicht, hätten aber nach Aussagen von Experten schwere Schäden anrichten können. Einer der Männer wurde in Deutschland, der andere im Libanon verurteilt.

Im September 2008 hatte die Polizei am Kölner Flughafen zwei aus Somalia stammende Terrorverdächtige kurz vor dem Start ihrer Maschine nach Amsterdam festgenommen. Die beiden Islamisten seien entweder unterwegs in ein Ausbildungslager gewesen oder hätten sich direkt am bewaffneten Kampf in Ostafrika beteiligen wollen, hieß es damals in Sicherheitskreisen. Von Amsterdam aus hätten sie nach Uganda weiterfliegen wollen. Dem nordrhein-westfälischen Landeskriminalamt zufolge hinterließen die Männer Abschiedsbriefe.