Krankenhaus-Ärzte verlangen sechs Prozent mehr Gehalt

Dienstag, 18. Dezember 2012, 16:34 Uhr
 

Berlin (Reuters) - Die Gewerkschaft Marburger Bund fordert für die rund 50.000 Ärzte an den kommunalen Krankenhäusern sechs Prozent mehr Gehalt.

Wenn zwei Milliarden Euro zur Abschaffung der Praxisgebühr zur Verfügung stünden, könnten auch deutliche Tarifsteigerungen in den Krankenhäusern finanziert werden, sagte Gewerkschaftschef Rudolf Henke am Dienstag in Berlin.

Die Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA) wies die Forderung zurück. "Ein Gehaltsplus von sechs Prozent ist vollkommen übertrieben und für die Krankenhäuser nicht finanzierbar", sagte Verhandlungsführer Joachim Finklenburg. Die erste Verhandlungsrunde ist für den 10. Januar geplant.

Henke betonte dagegen: "Sechs Prozent passen in die Zeit, sechs Prozent sind auch wirtschaftlich vertretbar." Die Behandlung kranker Menschen dürfe nicht schlechter bezahlt werden als die Entwicklung neuer Finanzprodukte.

Die Gewerkschaft fordert auch eine Verringerung der Arbeitsbelastung der Ärzte. Diese sei durch die Vielzahl unbesetzter Stellen weiter gestiegen, sagte Henke. Die wöchentliche Höchstarbeitsgrenze müsse reduziert werden. Der Tarifvertrag lässt bislang die Überschreitung der gesetzlichen Obergrenze von 48 Stunden auf 60 Stunden pro Woche zu, wenn darin in größerem Umfang Bereitschaftsdienste enthalten sind. Diese Regelung hat der Marburger Bund gekündigt.

Laut Finklenburg summieren sich die Forderungen der Ärzte auf Kostensteigerungen von mehr als 13 Prozent. "Das ist vollkommen abwegig", sagte er. Schon jetzt schrieben mehr als die Hälfte aller Krankenhäuser rote Zahlen. Der Gesetzgeber habe den Orientierungswert auf zwei Prozent festgelegt. Davon müssten alle Kostensteigerungen finanziert werden.

Während Henke die Kosten für die öffentliche Hand durch die Tarifforderung mit rund 180 Millionen Euro angab, bezifferte Finklenburg die Wünsche der Ärzte auf mehr als 500 Millionen Euro pro Jahr.

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) bezeichnete die Forderungen als "vollständig von der Realität abgekoppelt." Schon in diesem Jahr führten die nur anteilig refinanzierten Tariflohnsteigerungen dazu, dass mehr als 40 Prozent der Kliniken ihre Kosten nicht decken könnten. Umfragen zufolge werde der Anteil defizitärer Einrichtungen im nächsten Jahr auf über 50 Prozent wachsen.

In der Vergangenheit hatte es oft harte Verhandlungen gegeben. Dabei hat der Marburger Bund wiederholt zu Streik- und Protestmaßnahmen gegriffen, um seine Forderungen durchzusetzen. Im März steht auch eine Tarifrunde für die Ärzte an den Unikliniken an.

 
General view of the hospital Klinikum rechts der Isar in Munich, November 3, 2011. REUTERS/Guido Krzikowski (GERMANY - Tags: SPORT SOCCER HEALTH)