Peter Struck erliegt mit 69 Jahren Herzanfall

Mittwoch, 19. Dezember 2012, 20:31 Uhr
 

Berlin (Reuters) - Der langjährige SPD-Fraktionschef und Ex-Verteidigungsminister Peter Struck ist überraschend gestorben.

Der 69-Jährige erlag am Mittwoch einem Herzinfarkt, wie eine Sprecherin der Friedrich-Ebert-Stiftung bestätigte. Struck war erst Anfang der Woche als Vorsitzender der SPD-nahen Stiftung wiedergewählt worden. Sein Tod wurde über die Parteigrenzen hinweg mit Bestürzung aufgenommen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) erklärte, sie habe Struck als Fraktionschef in der großen Koalition von 2005 bis 2009 "als hart argumentierenden, dabei jedoch stets verlässlichen Partner" schätzen gelernt. Frank-Walter Steinmeier, der Struck 2009 als Fraktionschef beerbte, erklärte, die SPD verliere "einen Freund, einen engen Weggefährten, einen Mann voller Herzenswärme, Humor und Klugheit".

In der SPD genoss der schnauzbärtige Pfeifenraucher und Motorradfahrer Struck bis zuletzt hohes Ansehen, obwohl er nie ein hohes Parteiamt innehatte. In die Spitzenriege der SPD-Politiker stieg der in Göttingen geborene Sohn eines Autoschlossers 1998 auf: In der ersten rot-grünen Koalition wurde er Fraktionschef. Kurz vor dem Ende der Wahlperiode sprang er im Juli 2002 für den zurückgetretenen Verteidigungsminister Rudolf Scharping (SPD) ein.

Aus der anfangs als Zwischenlösung angelegten Rolle wurden dreieinhalb Jahre, in denen der Jurist das Herz der Truppe gewann. Legendär blieb seine "Jailhouse-Rock"-Einlage als "Blues Brother" bei einem Truppenbesuch im Kosovo. Von ihm wurde mit Blick auf den Afghanistan-Einsatz der Satz geprägt, die Sicherheit Deutschlands werde auch am Hindukusch verteidigt. Im Juni 2004 schien ein jähes Ende seiner Karriere bevorzustehen: Als 61-Jähriger fand er sich mit einem Schlaganfall im Krankenhaus wieder. Nur mühsam kam er wieder auf die Beine.

Nach der Wahlniederlage für Rot-Grün 2005 kehrte Struck für vier Jahre an die Spitze der Fraktion zurück und organisierte mit seinem CDU-Kollegen Volker Kauder die Mehrheiten in der großen Koalition. In seinem vor zwei Jahren vorgelegten Buch "So läuft das" bezeichnete Struck den CDU-Politiker als Freund - der dies erwiderte, das Buch vorstellte und sagte, Struck sei der dritte Sozialdemokrat gewesen, den er geduzt habe.

GRÜNE ERINNERN AN "STRUCKSCHES GESETZ"

"Der überraschende Tod von Peter Struck hat mich tief getroffen", erklärte Kauder nun. Er sei ein verlässlicher Freund und Wegbegleiter gewesen, der sich als aufrechter Demokrat um das Land verdient gemacht habe. Auch zahlreiche Politiker von FDP und Grünen sprachen Strucks Familie ihr Beileid und dem Verstorbenen ihren Respekt aus. FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle äußerte sich tief getroffen. Die Grünen-Fraktionsvorsitzenden Renate Künast und Jürgen Trittin erklärten, sie erinnerten sich "mit Dankbarkeit an eine faire und partnerschaftliche Zusammenarbeit".

In der SPD herrschte Betroffenheit. "Ich bin erschüttert über den plötzlichen Tod von Peter Struck", erklärte Parteichef Sigmar Gabriel. Er werde immer als Mann klarer Worte in Erinnerung bleiben, aber auch als "geradliniger Pflichtmensch mit großen Überzeugungen". Struck hatte sich vor zwei Jahren, damals schon aus der aktiven Politik ausgeschieden, einen Machtkampf mit Gabriel geliefert, als es um den Vorstandsposten der Friedrich-Ebert-Stiftung ging: Gabriel hatte für eine Verjüngung und Neuausrichtung der Stiftung plädiert. Durchgesetzt hatte sich am Ende Struck.

Ex-Kanzler Gerhard Schröder erklärte, Strucks Integrität und Loyalität hätten ihn tief beeindruckt. "Auf sein Wort war immer Verlass." Struck habe die parlamentarische Unterstützung organisiert, aber auch auf die Eigenständigkeit der Abgeordneten geachtet.

Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) erinnerte daran, dass Struck fast 30 Jahre Mitglied des Parlaments war. Viele langjährige Kollegen verlören einen guten politischen Freund. Auch der Deutsche Gewerkschaftsbund bekundete seine Trauer. "Peter Struck war in seiner Art unvergleichlich, ein Politiker mit Ecken und Kanten", erklärte DGB-Chef Michael Sommer.