Studie - Milliardenschaden bei privater Altersvorsorge

Donnerstag, 27. Dezember 2012, 15:05 Uhr
 

Berlin (Reuters) - Verbraucher werden bei der privaten Altersvorsorge einer Studie zufolge durch mangelhafte Beratung und undurchschaubare Produkte um Milliardenbeträge geprellt.

Nach der am Donnerstag von den Grünen vorgestellten Analyse des Finanzwirtschaftlers Andreas Oehler summieren sich die jährlichen Verluste bei Sparmodellen, die hauptsächlich einem sorgenlosem Alter dienen sollen, auf über 50 Milliarden Euro. Größte Kostenfalle ist demnach der sogenannte Graue Kapitalmarkt um einem jährlichen Schaden für Kunden in Höhe von 30 Milliarden Euro. In diesem, unter geringer staatlicher Kontrolle stehendem Segment des Finanzmarkts werden Produkte wie etwa Beteiligungen an Immobilienfonds angeboten. Damit soll Kapital gebildet werden, um die Rente aufzubessern. Für den Bereich der Versicherungen wies der Branchenverband GDV die in der Studie aufgeführten Zahlen als falsch zurück.

Durch mangelhafte Beratungsqualität und eines fehlenden systematischen Verbraucherschutzes würde den künftigen Ruheständlern ein erheblicher finanzieller Schaden entstehen, bilanzierte der Bamberger Professor Oehler. Kernproblem sei, dass den Bürgern die Expertise fehle, um die Produkte richtig beurteilen zu können und die Beratungen dies häufig nicht ausglichen.

STUDIE: VERSICHERUNGSNEHMER KÖNNEN OFT KOSTEN NICHT TRAGEN

Die Autoren der Studie haben nicht selbst Finanzprodukte unter die Lupe genommen, sondern Untersuchungen der Verbraucherschutzzentralen und der Stiftung Warentest ausgewertet. Demnach summieren sich die Verluste bei Kapitallebens- und privaten Rentenversicherungen auf 16 Milliarden Euro. Hier bemängelten die Verbraucherschützer, dass viele Kunden die langen Laufzeiten der Verträge nicht schultern könnten. Dies wüssten die Anbieter, würden diese Produkte aber trotzdem verkaufen. Den Angaben nach werden drei von vier Verträgen mit einer 30-jährigen Laufzeit und 55 Prozent aller Verträge über 20 Jahre vorzeitig und damit mit Verlusten für den Versicherungsnehmer gekündigt.

Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) widersprach: "Der Untersuchung liegen so viele offenkundig falsche Annahmen zugrunde, dass ihre erneute Veröffentlichung wirklich erstaunen muss", erklärte GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg von Fürstenwerth. So seien nur 1115 Vertragskündigungen aus den vergangenen zahn Jahren berücksichtigt worden. Daraus könne man keine allgemeingültigen Aussagen folgern. Auch sei der durchschnittliche Verlust bei Vertragskündigung zu hoch angesetzt worden.

Schlechte Noten bekommt in der Analyse auch die staatlich geförderte Riester-Rente. Deren Kunden drohten hohe Verluste, weil die privaten Vermittler bei Kosten und Gebühren zulangten. Auf eine Milliarde Euro wird die Summe beziffert, die hier den Verbrauchern jedes Jahr abgeköpft wird.

Das Verbraucherschutzministerium erklärte, die Studie liege nicht vor, deshalb könne auch nicht beurteilt werden, ob sie seriös sei. Die stellvertretende Vorsitzende der Grünen- Bundestagsfraktion, Bärbel Höhn, erklärte, die Probleme seien seit Jahren bekannt. "Es ärgert mich, dass die Bundesregierung es nicht schafft, dass schlechte Finanzprodukte besser erkannt werden und schwarzen Schafen schneller das Handwerk gelegt wird."

 
Elderly women walk past an empty warehouse in the western city of Herten September 11, 2012. Picture taken on September 11, 2012. REUTERS/Ina Fassbender