Steinbrück verliert in Umfragen an Ansehen und reißt SPD mit

Mittwoch, 9. Januar 2013, 12:45 Uhr
 

Berlin (Reuters) - SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück hat Umfragen zufolge wegen der von ihm ausgelösten Debatte über das Kanzlergehalt drastisch an Ansehen verloren und auch seine Partei mit nach unten gerissen.

Im direkten Vergleich mit Bundeskanzlerin Angela Merkel würden sich nach dem am Mittwoch veröffentlichten Wahltrend von "stern" und RTL nur noch 22 Prozent für Steinbrück entscheiden - nach 26 Prozent in der vorigen Umfrage. 58 Prozent der Bürger würden hingegen die Amtsinhaberin direkt wählen, wenn dies möglich wäre. Damit stieg Merkels Beliebtheit um sieben Punkte. In einer "stern"-Umfrage schätzten nur noch 34 Prozent der 1003 Befragten Steinbrück als vertrauenswürdig ein - minus acht Punkte gegenüber Oktober. Die SPD sackt auch infolge dessen um zwei Punkte auf 25 Prozent ab, ihr niedrigster Wert in einer Forsa-Umfrage seit April 2012.

Forsa-Chef Manfred Güllner sagte, der SPD schade vor allem die Kritik Steinbrücks am Kanzlergehalt. "Gerade die unteren Schichten, die er erreichen müsste, können dies nicht nachvollziehen. Für diese Leute ist ein Kanzlergehalt viel Geld. Bei ihnen hat sich der Eindruck festgesetzt, dass Steinbrück mehr Geld haben will", sagte Güllner dem "stern".

Steinbrück hatte am Wochenende seine Bemerkung verteidigt, dass ein Bundeskanzler zu wenig Geld verdiene. Er habe "mitnichten gefordert, das Kanzlergehalt zu erhöhen, wie es zu lesen und hören war", sagte er dem "Tagesspiegel am Sonntag". Vielmehr habe er auf vergleichbare Positionen in der Gesellschaft und die große Verantwortung hingewiesen.

Meinungsforscher Güllner sagte, als Gerhard Schröder 1998 Kanzlerkandidat geworden sei, habe das einen Sog zur SPD ausgelöst. "Steinbrück dagegen zieht die Partei nach unten", sagte Güllner. "Die Menschen sehen ihn mittlerweile eher negativ."

Dies belegen auch die Zahlen der "stern"-Umfrage, nach der über die Hälfte der Deutschen (51 Prozent) der Ansicht sind, Steinbrück wäre kein guter Kanzler. Ende November hatten nur 37 Prozent diese Auffassung vertreten. 49 Prozent sagen, er sei nicht der richtige Kandidat für die SPD. Ende November waren es nur 36 Prozent gewesen, und 51 Prozent hatten ihn damals als den richtigen Kandidaten bezeichnet. Als sympathisch bewerten ihn noch 33 Prozent der Befragten, ein Minus von sieben Punkten zu einer entsprechenden Umfrage vom Oktober. Geschätzt wird weiter seine Kompetenz, doch büßte Steinbrück auch hier mit 57 Prozent vier Punkte ein.

 
Designated top candidate of the German Social Democratic Party (SPD) for the 2013 German general elections, Peer Steinbrueck speaks during the extraordinary party meeting of the SPD in Hanover, December 9, 2012. REUTERS/Ralph Orlowski (GERMANY - Tags: POLITICS)