Immer mehr Wähler wenden sich von Steinbrück ab

Freitag, 11. Januar 2013, 11:51 Uhr
 

Berlin (Reuters) - Immer mehr Wähler wenden sich von Peer Steinbrück nach dessen umstrittenen Einlassungen zum Kanzlergehalt ab.

In Umfragen für die ARD und das ZDF brachen die Beliebtheitswerte für den SPD-Kanzlerkandidaten ein. Nach dem ZDF-Politbarometer vom Freitag wünscht sich nur noch jeder vierte Wähler Steinbrück als neuen Regierungschef. Im Dezember war es noch mehr als jeder Dritte. Auch im ARD-Deutschlandtrend stürzte der Herausforderer von Kanzlerin Angela Merkel ab. Mit seiner Arbeit zeigten sich nur noch 36 Prozent der Deutschen zufrieden, zwölf Punkte weniger als Anfang Dezember.

Auch in den eigenen Reihen schwindet nach den Erkenntnissen der Demoskopen der Rückhalt für Steinbrück. Laut ZDF-Politbarometer wollen ihn nur noch 63 Prozent der SPD-Anhänger als Kanzler, vor Monatsfrist waren es 79 Prozent. Bei der Kardinalfrage, ob Steinbrück der richtige Kanzlerkandidat sei, antworteten 58 Prozent der SPD-Anhänger mit Ja, 34 Prozent mit Nein. Beim Wunschpartner Grüne ist Steinbrücks Ansehen noch stärker lädiert. Nur 46 Prozent ihrer Anhänger halten den Ex-Bundesfinanzminister für den richtigen Herausforderer Merkels. Genauso viele halten ihn für fehl am Platz.

Steinbrücks Schwäche ist Merkels Stärke: Im ZDF-Politbarometer wünschten sich 65 Prozent der Befragten, dass sie ihren Job behält - elf Prozentpunkte mehr als im Dezember. Im ARD-Deutschlandtrend vergrößert sich der Abstand zwischen Merkel und Steinbrück im direkten Vergleich. Bei der Frage ob Merkel oder Steinbrück ins Kanzleramt ziehen sollten, ist der Abstand zwischen der Amtsinhaberin und ihrem Herausforderer nun mit 25 Prozentpunkten so groß wie nie zuvor.

NEGATIVREKORD FÜR RÖSLER

Zu den Verlieren in beiden Erhebungen zählt auch FDP-Chef Philipp Rösler. Sowohl in der ARD als auch im ZDF ist er Schlusslicht in der Beliebtheitsrangfolge der Politiker. Im ZDF-Politbarometer kommt Rösler mit einem Wert von minus 1,6 auf einen persönlichen Tiefstwert. Die Schuld an der FDP-Krise geben 59 Prozent der Befragten dem freidemokratischen Spitzenpersonal und nur 31 Prozent der FDP-Politik. Konsequenterweise glauben 53 Prozent der Bürger, dass Rösler bald den Parteivorsitz abgeben wird.

In der Sonntagsfrage verliert die SPD bei der ARD gegenüber der Vorwoche einen Punkt und erreicht 28 Prozent. Die Union bleibt bei 41 Prozent. Die FDP verfehlt demnach den Einzug in den Bundestag mit vier Prozent. Die Grünen können zwei Punkte zulegen und kommen auf 14 Prozent. Die Linke bleibt bei sechs Prozent. Die Piraten verlieren in der infratest-dimap-Umfrage unter 1500 Wahlberechtigten einen Punkt auf drei Prozent.

Auf ähnliche Werte kommt die Forschungsgruppe Wahlen für das ZDF. Dort legt die Union gegenüber dem Vormonat zwei Punkte auf 42 Prozent zu. Die SPD gibt dagegen zwei Punkte ab und kommt auf 28 Prozent. Während die Grünen bei 13 Prozent verharren, verliert die Linkspartei einen Punkt und landet bei sechs Prozent. Nicht in den Bundestag einziehen würden die FDP mit vier und die Piratenpartei mit drei Prozent.

 
Designated top candidate of the German Social Democratic Party (SPD) for the 2013 German general elections, Peer Steinbrueck points during the extraordinary party meeting of the SPD in Hanover, December 9, 2012. REUTERS/Ralph Orlowski (GERMANY - Tags: POLITICS)