SPD rüttelt trotz Umfragen-Absturz nicht an Steinbrück

Freitag, 11. Januar 2013, 15:45 Uhr
 

Berlin (Reuters) - Augen zu und durch: Die SPD rüttelt trotz des Absturzes in Umfragen nicht an ihrem Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück.

"Das was jetzt hinter uns liegt (...) das kann man nicht rückblickend korrigieren, sondern die Aufgabe ist jetzt nach vorne hin die Präsentation der SPD deutlich zu verbessern", sagte der Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Frank-Walter Steinmeier, am Freitag in Berlin. Steinbrück selbst spielte die Negativwerte in Umfragen nach seinen umstrittenen Äußerungen zum Kanzlergehalt herunter. "Umfrageergebnisse sind keine Wahlkampfergebnisse", sagte er der "Bild"-Zeitung (Samstagausgabe). "Wir sind noch nicht in der heißen Wahlkampfphase, also müssen wir abwarten."

Steinmeier erklärte, der Kanzlerkandidat habe angekündigt, vorsichtiger bei Interviews zu sein. Steinbrück hatte erklärt, gemessen an der Verantwortung eines Kanzlers sei dieser im Vergleich mit weniger verantwortungsvollen Posten in der Wirtschaft unterbezahlt. Dem ehemaligen Finanzminister war daraufhin vorgeworfen worden, ihm gehe es ums Geld. Schon zuvor war er wegen Millionen-Einnahmen aus Redehonoraren und anderen Nebentätigkeiten auch in den eigenen Reihen in die Kritik geraten.

In Umfragen ist Steinbrück nun unpopulärer als Außenminister Guido Westerwelle, der lange Zeit das Schlusslicht in der Beliebtheitsreihenfolge von Politikern war. Dazu sagte Steinmeier: "Das ist ein Umstand des Tages und Auftrag, die Dinge zu ändern." Steinbrück sagte Reuters zu den für ihn katastrophalen Umfragewerten: "Ich habe die auch nicht bewertet, als ich oben war." Er wolle hier nicht "Stichwortgeber" sein.

AUCH SPD-LINKE VERMEIDET KRITIK AN STEINBRÜCK

Auch der schleswig-holsteinische SPD-Landesvorsitzende und Vertreter des linken Parteiflügels, Ralf Stegner, vermied Kritik an Steinbrück, der zu den Konservativen in der SPD zählt. Es gehe bei der Bundestagswahl nicht um Popularitätswerte, sondern um zentrale Fragen wie soziale Gerechtigkeit, sagte er dem RBB.

Nach jüngsten Umfragen für die ARD und das ZDF wenden sich immer mehr Wähler von Steinbrück wegen der Debatte um das Kanzlergehalt ab. Nach dem ZDF-Politbarometer wünscht sich nur noch jeder vierte Wähler Steinbrück als neuen Regierungschef. Im Dezember war es noch mehr als jeder Dritte. Im ARD-Deutschlandtrend zeigten sich nur noch 36 Prozent der Deutschen mit Steinbrücks Arbeit zufrieden, zwölf Punkte weniger als Anfang Dezember.

Auch in den eigenen Reihen schwindet nach den Erkenntnissen der Demoskopen der Rückhalt für Steinbrück. Laut ZDF-Politbarometer wollen ihn nur noch 63 Prozent der SPD-Anhänger als Kanzler nach noch 79 Prozent vor Monatsfrist. Bei der Kardinalfrage, ob Steinbrück der richtige Kanzlerkandidat sei, antworteten 58 Prozent der SPD-Anhänger mit Ja, 34 Prozent mit Nein. Im ARD-Deutschlandtrend ist der Abstand von Amtsinhaberin Kanzlerin Angela Merkel und ihrem Herausforderer bei der Frage, wer ins Kanzleramt ziehen soll, nun mit 25 Prozentpunkten so groß wie nie zuvor.

In der Sonntagsfrage verliert die SPD bei der ARD gegenüber der Vorwoche einen Punkt und erreicht 28 Prozent. Die Union bleibt bei 41 Prozent. Die FDP würde demnach mit vier Prozent den Einzug in den Bundestag verpassen, wenn am Sonntag gewählt würde. Die Grünen können zwei Punkte zulegen und kommen auf 14 Prozent. Die Linke bleibt bei sechs Prozent. Die Piraten verlieren in der infratest-dimap-Umfrage unter 1500 Wahlberechtigten einen Punkt auf drei Prozent.

Auf ähnliche Werte kommt die Forschungsgruppe Wahlen für das ZDF. Dort legt die Union gegenüber dem Vormonat zwei Punkte auf 42 Prozent zu. Die SPD gibt dagegen zwei Punkte auf 28 Prozent ab. Während die Grünen bei 13 Prozent verharren, verliert die Linkspartei einen Punkt auf sechs Prozent. Nicht in den Bundestag einziehen würden die FDP mit vier und die Piratenpartei mit drei Prozent.

 
Peer Steinbrueck, Social Demrocratic (SPD) top candidate for the 2013 German general elections delivers his speech during an election campaign with Lower Saxony's Social Democratic top candidate Stephan Weil (not pictured) in Emden, January 4, 2013. State elections in Lower Saxony will be hold on January 20. REUTERS/Fabian Bimmer (GERMANY - Tags: POLITICS)