Deutschland will sich bei Airbus nicht abdrängen lassen

Mittwoch, 16. Januar 2013, 18:59 Uhr
 

Berlin (Reuters) - Deutschland will sich beim Flugzeugbauer Airbus nicht an den Rand drängen lassen und pocht auf Mitspracherechte.

Ihre Position als neuer Großaktionär des Mutterkonzerns EADS will die Bundesregierung dazu nutzen, Kompetenzen in der Forschung, Entwicklung und Produktion von Airbus-Flugzeugen im Land zu halten. "Ziel der Bundesregierung ist es, dass die deutsche Luftfahrtindustrie eine Führungsrolle bei künftigen Airbus-Programmen übernehmen kann", erklärte die Regierung. Das ist Teil ihrer neuen Luftfahrtstrategie, die das Kabinett am Mittwoch beschloss. Das Programm könnte für Konfliktstoff mit dem Firmenmanagement und Airbus-Partnerländern sorgen.

"Ich finde es nicht gut, wenn bei einem europäischen Konzern alle Entwicklungszuständigkeiten zentralisiert werden außerhalb unseres schönen Landes", beklagte der Regierungskoordinator für die Luft- und Raumfahrt, Peter Hintze, im Bundestag mit Blick auf Zentralisierungen am französischen Airbus-Standort Toulouse. Wo es solche Stärken in Deutschland gebe, müssten sie hier gehalten werden. Verschiedene Bundesregierungen hätten über Jahrzehnte Milliardensummen beigetragen, um Airbus zu entwickeln. "Wir wollen auch für unsere Arbeitnehmer und unsere Unternehmen, unseren Mittelstand und die Zulieferer die Früchte ernten", sagte Hintze. Ziel Deutschlands sei eine tief gestaffelte Wertschöpfungskette in Deutschland, wobei Forschung, Entwicklung und Produktion im Lande gehalten werden sollten.

"Vor allem das Nachfolgeprogramm der heutigen A320-Familie ist für deutsche Standorte wichtig", erklärte die Regierung. Die Kompetenzen der deutschen Airbus-Standorte lägen besonders bei den Kurz- und Mittelstreckenmaschinen, und hier sollten auch in Zukunft die Arbeitsplätze sowie die Forschungs- und die Entwicklungskapazitäten gehalten werden.

Darüber hinaus will sich die Bundesregierung stärker für gleiche Wettbewerbsbedingungen im weltweiten Luftverkehr einsetzen. Sie plädiert dafür, mittelfristig für die Branche ein neues internationales Abkommen unter dem Dach der Welthandelsorganisation (WTO) zu schließen. Alle Länder mit global agierenden Luftfahrtunternehmen sollten darin eingebunden werden. Ziel solle auch sein, den staatlichen Einfluss auf die Branche zurückzudrängen. Die Grünen-Wirtschaftspolitikerin Kerstin Andreae kritisierte, dieses Ziel kollidiere damit, dass die deutsche Regierung gerade als EADS-Großaktionär einsteige.

Der Luftfahrt-Branchenverband BDLI begrüßte die neue Strategie der Bundesregierung. Damit bekenne sie sich zu diesem Sektor und weise ihm eine strategische Bedeutung zu. Aus Sicht des BDLI dürften aber politische Zielsetzungen auf nationaler Ebene nicht mit unternehmerischen Notwendigkeiten in internationalen Industriestrukturen kollidieren.

 
A view shows the Airbus engineering headquarters in Toulouse, southwestern France October 23,2012. Picture taken October 23, 2012. To match Special Report EADS-BAE/GERMANY REUTERS/Jean-Philippe Arles (FRANCE - Tags: TRANSPORT BUSINESS)