Neues Spitzenpersonal soll Flughafen-Projekt flott machen

Mittwoch, 16. Januar 2013, 18:09 Uhr
 

Berlin (Reuters) - Mit einem Austausch des Spitzenpersonals in Aufsichtsrat und Geschäftsführung des Hauptstadtflughafens soll das Krisen-Projekt wieder in Schwung kommen.

Der Aufsichtsrat der Gesellschaft wählte am Mittwoch Brandenburgs Ministerpräsidenten Matthias Platzeck zum neuen Chefkontrolleur und berief Flughafenchef Rainer Schwarz wie erwartet ab. Technikchef Horst Amann dämpfte im ZDF Hoffnungen auf eine Eröffnung im nächsten Jahr: "Ich gehe eher von 2015 aus". Platzeck will einen neuen Termin frühestens in einigen Monaten nennen.

Platzeck sagte weiter, Schwarz habe sein Büro bereits geräumt. Schadensersatzansprüche gegen den Manager würden geprüft. Technikchef Amann werde zunächst die Verantwortung alleine tragen, bis ein neuer Geschäftsführer gefunden sei. "Der Markt ist aber nicht riesig", räumte Platzeck ein.

Platzeck war zuvor einstimmig vom Aufsichtsrat zum Nachfolger von Berlins Regierungschef Klaus Wowereit bestimmt worden, der den Posten an der Spitze des Kontrollgremiums nach der neuerlichen Verschiebung des Eröffnungstermins aufgegeben hatte. Geplant ist zudem, den Aufsichtsrat zu erweitern, um ihn mit Fachleuten zu besetzen. Darüber werde das Gremium im Laufe des Mittwochabend noch diskutieren, sagte Platzeck, der bislang Stellvertreter Wowereits war. Gesellschafter des Flughafens sind die Länder Berlin und Brandenburg (je 37 Prozent) sowie der Bund (26 Prozent). Dieser wird zudem mehr Verantwortung übernehmen: Staatssekretär Rainer Bomba wurde zum Leiter des Projektausschusses des Aufsichtsrats bestimmt.

KREISE: BERLINER EX-FLUGHAFENMANAGER WUNSCHKANDIDAT ALS CHEF

Platzeck verwies jedoch darauf, dass die Geschäftsführung in erster Linie für das Gelingen zuständig sei. So soll neben dem technischen Leiter Amann ein Experte für Finanzen berufen werden. "Die Schlüsselfunktion hat die Besetzung der Geschäftsführung", betonte er. In Kreisen der Gesellschafter hieß es, Favorit von Bund und Ländern für die Besetzung des Chefpostens sei der derzeitige technische Leiter des Münchner Flughafen, Thomas Weyer. Weyer hatte bereits bis Ende 2008 am Berliner Flughafen mitgearbeitet.

Namen wollte Platzeck jedoch auch auf Nachfrage nicht nennen, deutete aber an, dass die Suche angesichts der massiven Probleme auf der Baustelle länger dauern könne. "Natürlich hängt es auch davon ab, wer will", sagte Platzeck. Weyer gilt auch als möglicher Nachfolger auf dem Chefposten des florierenden Münchner Flughafens.

Als vordringliche Aufgabe nannte der SPD-Politiker zudem, auf der Baustelle wieder Vertrauen zwischen Planern, Genehmigungsbehörden und Baufirmen zu schaffen. Eine komplette Neuplanung mit Neubau solle vermieden werden, einige Bauabschnitte könnten möglicherweise noch genehmigungsfähig sein. Für die Region sei ein Erfolg des Großflughafens entscheidend: "Das bleibt für das gesamte Land Brandenburgs das Schlüsselprojekt per se", sagte Platzeck. Verbunden sei damit sein Schicksal als brandenburgischer Ministerpräsident. "Das liegt so klar auf der Hand wie irgendetwas", sagte Platzeck.

Die Abberufung von Schwarz war bereits seit Monaten vom Bund gefordert worden, der ihm vorwirft, den Aufsichtsrat nicht ausreichend über die Probleme auf der Baustellen informiert zu haben. Bereits die Eröffnung im Juni 2012 war kurzfristig abgesagt worden, auch weitere genannte Termine im März 2013 und zuletzt im Oktober platzten. Bei einer Auflösung seines erst 2011 verlängerten Vertrages könnte Schwarz mit einer Millionen-Zahlung rechnen. Sollten ihm jedoch Verfehlungen nachgewiesen werden, könnte dies vermieden werden. Der Aufsichtsrat will am 13. Februar wieder tagen.

 
Head of Airport Association Rainer Schwarz addresses the news conference on future Berlin Brandenburg international airport Willy Brandt (BER) in Schoenefeld, May 17, 2012. The opening day of the capital's long-awaited new airport replacing Tegel and Schoenefeld has been pushed back by almost a year to March 17, 2013. REUTERS/Tobias Schwarz (GERMANY - Tags: POLITICS TRANSPORT)