Führende FDP-Politiker sehen Brüderle als Nummer Eins

Dienstag, 22. Januar 2013, 18:08 Uhr
 

Berlin (Reuters) - Die FDP-Spitze hofft nach der Festlegung auf das neue Spitzen-Duo auf Ruhe im Führungsstreit.

Selbst Rösler-Kritiker stellten sich am Dienstag zumindest öffentlich hinter die Verständigung vom Vortag. Allerdings wurden intern auch Zweifel laut, dass dieser Burgfriede nicht von langer Dauer sein werde. Gesundheitsminister Daniel Bahr und Fraktionsvize Martin Lindner machten deutlich, dass sie Fraktionschef Rainer Brüderle nun als den starken Mann der FDP ansehen.

Der Bundesvorstand hatte am Montag beschlossen, dass dieser dem Parteichef Philipp Rösler als Spitzenmann im Wahlkampf zur Seite stehen soll. Den Vorsitz, den ihn Rösler ebenfalls angeboten hatte, schlug der 67-Jährige aus. Rösler hatte am Montag die Gunst der Stunde nach dem erfolgreichen Abschneiden seiner Partei in Niedersachsen genutzt und sich trotz interner Kritik an seiner Arbeit seine Ämter gesichert. Das Ergebnis in seiner Heimat mit knapp zehn Prozent gilt vor allem als sein Verdienst. Allerdings wird intern auch davon gesprochen, mit der Einigung mit Brüderle habe er lediglich einen Pyrrhussieg errungen.

Bahr sagte der Zeitung "Die Welt": "Rainer Brüderle ist die Nummer eins. Er ist das Gesicht der FDP für die Bundestagswahl." Wenn die FDP ihre Stärken bündele und mit unterschiedlichen Charakteren in den Wahlkampf ziehe, könne sie Vertrauen zurückgewinnen. Die Selbstbeschäftigung müsse ein Ende haben. Wer neue Diskussionen anzettele, schade der FDP.

Fraktionsvize Martin Lindner sagte zu Reuters mit Blick auf das Spitzen-Duo: "Brüderle ist der starke Mann, aber der andere ist nicht minder." Er setze darauf, dass beide ihre Stärken gebündelt in die Schlacht führten. "Das interne Kräftemessen sollte dem externen Kräftemessen jetzt mal weichen", sagte der Berliner FDP-Landeschef. Der Gegner stehe außerhalb der Partei und außerhalb der Koalition.

LINDNER LOBT "HERVORGEHOBENE ROLLE" BRÜDERLES

Der ebenfalls als Hoffnungsträger geltende nordrhein-westfälische Partei- und Fraktionschef Christian Lindner sagte, durch das Tandem würden die Kräfte in der FDP gebündelt. Zugleich begrüßte er, dass Brüderle eine "hervorgehobene Rolle" übernehme. Neben Rösler werde er zentraler Botschafter des liberalen Programms sein, sagte Lindner der "Westdeutschen Zeitung". Auf die Frage, ob die Debatte um Rösler beendet sei, sagte er: "Wir konzentrieren uns jetzt auf Sachthemen." Zwischen Rösler und Lindner gilt das Verhältnis nach ihrem Zerwürfnis als zerrüttet.

Rösler selbst betonte im "Handelsblatt", die FDP werde mit einer starken Mannschaft in die Auseinandersetzung mit Rot-Grün gehen. "Rainer Brüderle als Sturmspitze und ich als Mannschaftskapitän." So habe die FDP "beste Chancen", ein gutes Ergebnis im Bund zu erreichen und Schwarz-Gelb fortzusetzen.

Der als Rösler-Kritiker bekannte Bundestags-Vizepräsident Hermann Otto Solms nannte es im Rbb als entscheidend, dass die Personaldiskussion jetzt beendet werde. Brüderle sei wegen seiner langen Erfahrung ein bekannter Mann und Rösler werde jüngere Wählerschichten ansprechen. Bis jetzt habe Rösler seine Arbeit gut gemacht.

Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger rechnet nach eigenen Angaben nicht damit, dass es zu Vorsitz oder Spitzenkandidatur auf dem für März geplanten Parteitag zu Kampfkandidaturen kommen wird. Das wäre "nicht logisch", sagte sie der "Leipziger Volkszeitung". Das Führungsgremium habe eine ganz klare gemeinsame Haltung gezeigt. Rösler müsse als Vorsitzender jetzt die Kampagnenfähigkeit der Partei sicherstellen.

FDP-Vizechef Holger Zastrow forderte im Deutschlandfunk insbesondere Entwicklungsminister Dirk Niebel auf, sich in das Team einzuordnen. Tue er das nicht, werde die Partei dies bei den nächsten Wahlen entsprechend bewerten, warnte der sächsische FDP-Vorsitzende.