Regierung- Türkei muss für Sicherheit von Truppen sorgen

Mittwoch, 23. Januar 2013, 17:08 Uhr
 

Berlin/Ankara (Reuters) - Die Bundesregierung hat die Türkei nach dem Angriff auf deutsche Soldaten in Iskenderun aufgefordert, für die Sicherheit der Truppen beim Patriot-Einsatz zu sorgen.

Deutschland erwarte von der Türkei, dass sie die Sicherheit der deutschen Soldaten gewährleiste, sagte der Sprecher des Verteidigungsministeriums, Stefan Paris, am Mittwoch in Berlin. Die deutschen Soldaten seien auf Bitten der Türkei als Gäste im Land, und er gehe davon dass, dass die türkischen Sicherheitskräfte derartige Vorfälle künftig verhindern würden. Am Dienstag waren fünf Bundeswehr-Soldaten in Zivil beim Verlassen eines Geschäfts in Iskenderun von einer Gruppe von etwa 40 Türken angepöbelt und bedrängt worden. Türkischen Medienberichten zufolge wurden rund 30 Menschen nach dem Vorfall festgenommen.

Die Angreifer hätten einem Soldaten einen Sack mit weißem Pulver über den Kopf gezogen, erklärte das Einsatzführungskommando in Potsdam. Die deutschen Soldaten flüchteten sich den Angaben zufolge in die umliegenden Geschäfte. Türkische Sicherheitskräfte, die die Soldaten begleitet hatten, griffen ein und eskortierten die Deutschen in ihre Unterkünfte. Keiner der Soldaten wurde nach Angaben der Bundeswehr verletzt. Die deutschen Patriot-Systeme waren am Montag mit dem Schiff in der Hafenstadt angekommen.

Die Zeitung Habertürk berichtete, die deutschen Soldaten hätten sich in einem Juwelierladen in Sicherheit gebracht. Ungefähr 30 Menschen seien wegen des Angriffs festgenommen worden, schrieb das Blatt unter Berufung auf den Polizeichef des Distrikts. Die Polizei habe Ermittlungen aufgenommen. Bei den Angreifern handelte es sich nach türkischen Medienberichten um Anhänger der Türkischen Jugendunion, einer linksnationalistischen Gruppe. Das Überstülpen des Sacks gilt als Protestsymbol. Die Angreifer spielten damit offenbar auf einen Vorfall 2004 an, als ein US-Soldat türkischen Soldaten Säcke über den Kopf zog.

In der Türkei sind bisher knapp 60 deutsche Soldaten als Teil des Patriot-Einsatzes stationiert. Deutschland, die USA und die Niederlande haben mehrere Batterien des Flugabwehrsystems in das Land verlegt, um die Türkei vor Raketenbeschuss aus dem Bürgerkriegsland Syrien zu schützen. Die Bundeswehr beteiligt sich mit bis zu 400 Soldaten an dem Einsatz.