Regierung setzt auf mehr Erwerbstätigkeit von Frauen

Mittwoch, 23. Januar 2013, 17:19 Uhr
 

Berlin (Reuters) - Die Bundesregierung sieht im Kampf gegen den Fachkräftemangel trotz erster Erfolge noch reichlich Handlungsbedarf.

Arbeitsministerin Ursula von der Leyen sagte am Mittwoch in Berlin, die Erwerbsbeteiligung von Frauen sowie von Älteren habe sich in den vergangenen Jahren erheblich erhöht. Doch müsse Frauen ein besserer Übergang von Teilzeit- in Vollzeitstellen ermöglicht werden. Zudem kündigte sie eine Gesetzesänderung an, um ausgebildete Fachkräfte aus nicht EU-Ländern für offene Stellen nach Deutschland zu holen. Eine Änderung der Beschäftigungsverordnung befinde sich in der Abstimmung zwischen den Ressorts.

Die SPD warf der Regierung Versagen vor, denn es gebe schon jetzt in bestimmten Berufen und Regionen einen Mangel an Fachkräften. Bundeskanzlerin Angela Merkel müsse die Sicherung des Fachkräftebedarfs zur Chefsache machen, forderte Fraktionsvize Hubertus Heil.

Das Bundeskabinett hatte am Vormittag einen ersten Fortschrittsbericht zur Entwicklung der Fachkräftesituation in Deutschland beraten. Von der Leyen sagte, die Regierung habe bereits Manches an Strecke zurückgelegt. Der Kampf gegen den Fachkräftemangel erfordere jedoch einen "langen Atem". Derzeit gebe es aber 850.000 offene Stellen. Im Schnitt seien diese 76 Tage vakant - im Vorjahr seien es noch 62 Tage gewesen. Engpässe gebe es nicht nur bei Akademikern, sondern auch bei Lokführern, Klimatechnikern oder Handwerkern wie Heizungsbauern und Klempnern.

Die Erwerbsquote insgesamt liege inzwischen bei 77 Prozent. Von den über 55-Jährigen seien 62 Prozent und damit fast zwei Drittel am Arbeitsmarkt beteiligt. Im Jahr 2000 sei es gerade einmal ein Drittel gewesen. Zu der positiven Entwicklung hätten Qualifizierungen, die Rente mit 67 sowie altersgerechte Arbeitsbedingungen beigetragen.

Von den Frauen sind laut von der Leyen 72 Prozent berufstätig. Allerdings befänden sich 45 Prozent nur in Teilzeitbeschäftigung. Ihr Arbeitsvolumen sei mit durchschnittlich 18,6 Stunden pro Woche das geringste in ganz Europa. "Viele Frauen sind erwerbstätig, aber das Arbeitszeitvolumen ist relativ gering", sagte von der Leyen. Aufgabe der nächsten Jahre werde es sein, für geschmeidigere Übergänge von Teilzeit in Vollzeit zu sorgen. "Hier gibt es noch viel zu tun, hier ist noch viel Musik und Luft drin", sagte die Ministerin.

Positiv wertete von der Leyen auch die Entwicklung beim Zuzug qualifizierter Zuwanderer. International habe sich inzwischen herumgesprochen, dass in Deutschland Fachkräfte gebraucht würden und hier gute Arbeitsbedingungen herrschten. 2012 seien 340.000 Personen mehr nach Deutschland gekommen als weggezogen. Die EU hatte mit der im August vergangenen Jahres eingeführten Blue Card den Zuzug von Akademikern erleichtert. Von dieser machen in Deutschland rund 1600 Personen Gebrauch.

Darüber hinaus erhalten Lehrstellensuchende aus EU-Staaten durch ein Programm bereits jetzt Unterstützung, etwa durch Deutschkurse.