Studie: Mediziner sehen Ärztemangel bereits als Realität

Mittwoch, 23. Januar 2013, 17:36 Uhr
 

Berlin (Reuters) - Der Ärztemangel ist nach Einschätzung der meisten Mediziner in Deutschland inzwischen Realität.

65 Prozent der Klinikärzte gaben in einer am Mittwoch veröffentlichten Studie an, sie hielten den Ärztemangel bereits jetzt für ein bundesweites Problem. Innerhalb der gesamten Ärzteschaft sehen 56 Prozent einen Medizinermangel in Deutschland. Dies sind zehn Prozent mehr als im Jahr 2010. Dem Gesundheitsreport des Instituts für Demoskopie Allensbach im Auftrag des Finanzdienstleisters MLP zufolge bekommen den Mangel zunehmend auch die Patienten durch längere Wartezeiten zu spüren.

So gaben 52 Prozent an, dass sie sehr lange auf einen Termin warten mussten. 64 Prozent klagten darüber, dass sie sich sehr lange im Wartezimmer gedulden mussten. Vor allem die gesetzlich Versicherten zeigten sich genervt: Von ihnen hatten den Angaben zufolge 55 Prozent schon einmal Schwierigkeiten, zeitnah einen Termin beim Arzt zu bekommen - von den privat Versicherten berichteten dies nur 35 Prozent. Zudem mussten 67 Prozent der Kassenpatienten trotz eines Termins sehr lange im Wartezimmer sitzen. Von den Privatpatienten machten diese Erfahrung nur 48 Prozent. Gesetzlich Versicherte klagten auch häufiger darüber, dass sie mehrfach lange warten mussten.

Der Report ergab aber auch, dass die Zufriedenheit mit der Leistungsfähigkeit des Gesundheitswesens bei den Bürgern mit 82 Prozent und den Ärzten mit 93 Prozent insgesamt sehr hoch ist. Dennoch machen 40 Prozent der befragten Mediziner und 39 Prozent der Bevölkerung Qualitätsverluste bei der Versorgung in den vergangenen zwei bis drei Jahren aus. 2011 beklagten noch 43 Prozent der Mediziner und 47 Prozent der Bürger eine Verschlechterung.

Der Reformbedarf wird in der Bevölkerung mit 47 Prozent und bei den Ärzten mit 73 Prozent sehr hoch eingeschätzt, wenngleich auch hier die Werte niedriger liegen als im Jahr 2009. 60 Prozent der Mediziner bezweifeln allerdings, dass die Politik dauerhaft eine gute Gesundheitsversorgung für alle sicherstellen kann. Auch 42 Prozent der Bevölkerung haben keinen guten Eindruck von der Gesundheitspolitik.

Besorgt äußern sich die Versicherten über mangelnde Zeit der Ärzte in den Krankenhäusern für den einzelnen Patienten. Mit 57 Prozent hat sich dieser Wert seit Mitte der neunziger Jahre nahezu verdoppelt. Mehr als jedem Vierten zufolge gab es an dem Krankenhaus, das er in den vergangenen Jahren besucht hat, zu wenig Ärzte und Fachärzte. 46 Prozent beklagen einen Mangel an Krankenschwestern und -pflegern.

Für den Report wurden 2100 Bundesbürger und mehr als 500 Ärzte befragt.