IG Bau fordert 6,6 Prozent mehr Lohn für Baubeschäftigte

Donnerstag, 24. Januar 2013, 15:13 Uhr
 

Frankfurt/Berlin (Reuters) - Die Gewerkschaft IG Bau will in der kommenden Tarifrunde 6,6 Prozent mehr Lohn für die rund 750.000 Beschäftigten am Bau durchsetzen.

Darüber hinaus wolle die Gewerkschaft erreichen, dass die Löhne im Osten stufenweise an das Westniveau angepasst werden und die Mindestlöhne deutlich steigen, sagte der stellvertretende Vorsitzende der IG Bauen-Agrar-Umwelt, Dietmar Schäfers, am Donnerstag in Frankfurt. "Die Bauwirtschaft läuft recht gut, die Kollegen haben hohe Erwartungen. Sie fordern Geld in die Tasche", sagte Schäfers. Die Laufzeit der neuen Tarifverträge soll zwölf Monate betragen.

Die IG Bau begründete ihre Forderung unter anderem mit den Preissteigerungen für Produkte des täglichen Lebens. "Die Beschäftigten brauchen hierfür einen vernünftigen Ausgleich, damit sie von ihrem Lohn auch leben können", sagte Schäfers. Außerdem müsse die Steigerung der Arbeitsproduktivität der Bauleute gerecht bewertet werden. Diese Leistung werde zu wenig geschätzt.

Die Arbeitgeber wiesen die Forderung umgehend als übertrieben zurück. Sie gehe offenbar auf die gute Baukonjunktur des Jahres 2011 zurück, sagte Frank Dupre, Vize-Präsident des Branchenverbands ZDB. "Dabei hat die Gewerkschaft nicht berücksichtigt, dass sich Verteilungsspielräume nicht aus Umsätzen, sondern allein aus den Erträgen der Betriebe ergeben, die unverändert niedrig sind." Denn steigende Kosten etwa beim Material ließen sich am Markt nicht angemessen weiterreichen. "Insbesondere sehen wir keinen Nachholbedarf", sagte Dupre, der für die Arbeitgeber die Tarifverhandlungen führen wird. Das tarifliche Jahreseinkommen der Facharbeiter sei allein in den vergangenen zehn Jahren um 6.500 Euro oder über 20 Prozent gestiegen.

Die Tarifverhandlungen sollen am 20. Februar in Wiesbaden beginnen.

 
A construction site is pictured next to Germany's Commerzbank headquarters in Frankfurt January 18, 2013. REUTERS/Lisi Niesner (GERMANY - Tags: BUSINESS EMPLOYMENT)