Brüderle will zu Sexismus-Vorwürfen dauerhaft schweigen

Montag, 28. Januar 2013, 14:43 Uhr
 

Berlin (Reuters) - Trotz des öffentlichen Drucks will sich FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle nicht öffentlich zu den Sexismus-Vorwürfen äußern.

"Es ist Rainer Brüderles Entscheidung, keine Stellungnahme zu dem Vorgang abzugeben, und wir unterstützen ihn in seiner Entscheidung", sagte Generalsekretär Patrick Döring am Montag nach einer Präsidiumssitzung in Berlin. Brüderle habe in der Sitzung deutlich gemacht, dass er die Berichterstattung nicht kommentieren werde. Die Mitglieder hätten ihm dafür Respekt bekundet. Auch Parteichef Philipp Rösler werde sich nicht dazu äußern, weil die FDP-Spitze die Debatte nicht beleben wolle.

Die "Stern"-Journalistin Laura Himmelreich hatte Brüderle kurz nach seiner Kür zum Spitzenkandidaten für den Bundestagswahlkampf in einem Artikel vergangene Woche vorgeworfen, vor gut einem Jahr an einer Hotelbar zudringlich geworden zu sein. Döring sagte nun, nur weil mit der Reporterin eine Seite ihre Befindlichkeit zum Ausdruck gebracht habe, müsse Brüderle dies nicht auch tun. Weitere Ratschläge an Brüderle von Kollegen oder Medien seien fehl am Platz. Zugleich betonte Döring, Brüderle habe als Spitzenmann im Wahlkampf die volle Unterstützung der Parteiführung.

Nach Worten des Generalsekretärs braucht die Journalistin Himmelreich keine Konsequenzen der FDP zu fürchten. Die Pressefreiheit in Deutschland sei ein hohes Gut, und darunter falle der Bericht. "Es gibt keine Arbeitsbeschränkungen oder Kontaktsperre." Über Einladungen für Hintergrundgespräche entscheide allerdings jeder Kollege selbst.

Döring sagte zudem, die FDP werde sich einer Debatte über eine tolerante und offene Gesellschaft nicht verschließen. Diese müsse aber von der Person Brüderle losgelöst geführt werden.

 
Parliamentary faction leader of the liberal Free Democratic Party (FDP) Rainer Bruederle attends a news conference where he is proposed as his party's top candidate in this year's general election at the FDP headquarters in Berlin, January 21, 2013. REUTERS/Thomas Peter (GERMANY - Tags: POLITICS ELECTIONS)