Wehrbeauftragter - Soldaten sind zu lange in Auslandseinsätzen

Dienstag, 29. Januar 2013, 13:51 Uhr
 

Berlin (Reuters) - Auch in Zukunft bleiben Bundeswehrsoldaten länger in Auslandseinsätzen als vorgesehen.

Sorge bereite auch die Häufigkeit der Einsätze, sagte der Wehrbeauftragte des Bundestags, Hellmut Königshaus, am Dienstag bei der Vorstellung seines Jahresberichts. Das Ziel, die Soldaten maximal vier Monate in Auslandseinsätze zu schicken und ihnen danach eine mindestens 20 Monate dauernde Erholungszeit in der Heimat zu gewähren, sei nur begrenzt erreicht worden. Diese Vorgaben seien bei den Verpflichtungen im Ausland durchgängig nicht zu erreichen, sagte Königshaus.

Als Beispiel für die regelmäßige Überziehung der Einsatzdauer führte er die 13. Panzergrenadierdivision auf, die in Afghanistan stationiert ist. Über die Hälfte der Soldaten sei über sechs Monate im Einsatz. Defizite gebe es auch bei der psychologischen Betreuung der Rückkehrer. Die Zahl der traumatisierten Soldaten habe mit 1143 im vergangenen Jahr einen Höchststand erreicht.

Die Marine sei wegen Personalmangel besonders durch Auslandseinsätze belastet, berichtete Königshaus weiter. So sei bei der Einsatzflottille 2 mehr als jede fünfte Stelle eines Maates unbesetzt. Fehlendes Personal werde bei Auslandseinsätzen von anderen Einheiten ausgeliehen. Deswegen seien diese stark ausgedünnt. Insgesamt fehlten der Flotte 700 Marinesoldaten.

Ihren größten Auslandseinsatz hat die Bundeswehr in Afghanistan. Allein dort sind über 4000 Soldaten stationiert. Die Marine beteiligt sich zudem am internationalen Einsatz gegen Piraten am Horn von Afrika. Auch im Kosovo ist die Bundeswehr seit Jahren engagiert.

VERUNSICHERUNG WEGEN BUNDESWEHR-UMBAU

Die Reform der Bundeswehr von einer Armee im Kalten Krieg mit Wehrpflichtigen hin zu einer Freiwilligenarmee mit neuen Aufgaben verunsichere die Soldaten, erklärte der FDP-Politiker. Durch die Umstrukturierungen, die mit häufigen Ortswechseln verbunden seien, hätten die Soldaten keine Planungssicherheit für ihr Privatleben. Problematisch sei auch die Kinderbetreuung wegen der familienunfreundlichen Dienstzeiten. Der Wehrbeauftragte wies darauf hin, dass die Scheidungsrate unter Bundeswehrangehörigen besonders hoch sei.

Nach dem Jahresbericht stieg die Zahl rechtsextremistischer Vorfälle von 63 auf 67 leicht an. Meistens habe es sich dabei um Propaganda-Delikte gehandelt, etwa "Sieg Heil"-Rufe. Im vergangenen Jahr wurden 50 sexuelle Übergriffe registriert. Vergewaltigungen waren nach dem Bericht die Ausnahme. Meistens habe es sich bei den Übergriffen um Grapschereien oder verbale Belästigungen gehandelt.

 
An aerial view shows the German armed forces Bundeswehr Camp Marmal in Mazar-e-Sharif, northern Afghanistan December 20, 2012. REUTERS/Fabrizio Bensch (AFGHANISTAN - Tags: MILITARY CONFLICT POLITICS