Rösler - Vorwürfe gegen Brüderle sind Kampagne gegen FDP

Dienstag, 29. Januar 2013, 17:29 Uhr
 

Berlin (Reuters) - FDP-Chef Philipp Rösler hat die Sexismus-Vorwürfe gegen den Fraktionsvorsitzenden Rainer Brüderle als Kampagne gegen die gesamte Partei kritisiert.

Die Vorwürfe gegen Brüderle seien durchsichtig und haltlos, sagte der Vizekanzler dem "Kölner Stadt-Anzeiger". Rösler betonte zugleich, eine gesellschaftliche Auseinandersetzung mit Sexismus sei notwendig. Diskutiert werden müsse darüber aber sachlich und nicht mit aggressiver Polemik. Brüderle selbst ging am Dienstag auf das Thema erneut nicht ein.

Vor einer Fraktionssitzung beantwortete Brüderle nach einem Statement zu den Themen der Sitzungswoche anders als sonst keine Fragen von Journalisten. Stattdessen verließ er das Stehpult mit den Worten "Vielen Dank für Ihr Interesse". Auch in der Fraktionssitzung kam das Thema nicht zur Sprache. Brüderle bedankte sich nach Angaben von Teilnehmern zu Beginn jedoch für die Unterstützung in den vergangenen Tagen.

Am Montag hatte Generalsekretär Patrick Döring bereits angekündigt, Brüderle werde die Vorwürfe nicht kommentieren. Für dieses Vorgehen habe er die Rückendeckung des Präsidiums. Die Führung stehe voll und ganz zu dem erst vergangene Woche zum Spitzenkandidaten gekürten 67-Jährigen. Döring kündigte am Montag zudem an, einer Absprache mit Brüderle zufolge werde sich auch Rösler nicht zu dem Thema äußern. Die Parteiführung entschied sich nun jedoch anders.

Auslöser der Debatte ist ein "Stern"-Artikel. Darin wirft die Journalistin Laura Himmelreich dem Fraktionschef vor, sie vor gut einem Jahr an einer Hotelbar mit Anzüglichkeiten belästigt zu haben.

Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen begrüßte die Debatte über Sexismus. "Die starke Reaktion in der Öffentlichkeit zeigt, dass ein Nerv getroffen wurde", sagte die CDU-Vizechefin der Zeitung "Die Welt" (Mittwochausgabe) laut Vorabbericht. Viele Frauen hätten Belästigungen erlebt und äußerten dies nun auch. "Besonders schlimm sind Übergriffe, die in einem Abhängigkeitsverhältnis stattfinden", sagte von der Leyen. "Das Gute an dieser Debatte ist doch, dass das Bewusstsein für die roten Linien geschärft wird."