Bundesministerien kämpfen um die erste Reihe für ihre Sprecher

Mittwoch, 30. Januar 2013, 14:53 Uhr
 

Berlin (Reuters) - Mit einem salomonischen Urteil ist am Mittwoch ein kurioser Streit zwischen den Bundesministerien gelöst worden, der einen seltenen Einblick in die Empfindlichkeiten des politischen Berlins gewährt.

So hatte sich das Bundesjustizministerium beschwert, in den dreimal wöchentlichen stattfindenden Pressekonferenzen mit den Hauptstadt-Journalisten in die zweite Reihe gesetzt zu werden. Die Bundespressekonferenz, in der die Journalisten für die bundespolitische Berichterstattung organisiert sind, hatte dies aus rein praktischen Gründen beschlossen, weil Journalisten in den vergangenen Monaten stets mehr Fragen an das Familienministerium als an Sprecher des Justizministeriums gerichtet hatten und es in den Räumlichkeiten der Bundespressekonferenz nicht ausreichend Plätze in der ersten Reihe gibt. Entsprechend müssen einige Sprecher in der zweiten Reihe sitzen, bis eine Frage an sie gestellt wird.

Im stolzen, FDP-geführten Justizministerium wurde die geänderte Sitzordnung aber als Degradierung empfunden, weil es sich um ein Verfassungsressort handele. Das schmerzt, zumal das CSU-geführte Innenministerium, mit dem es inhaltlich die meisten Differenzen gibt, in der ersten Reihe bleiben sollte. Auch Regierungssprecher Steffen Seibert, der von der Bundespressekonferenz um eine Stellungnahme gebeten worden war, hatte sich dieser Argumentation angeschlossen.

Nun hat die Bundespressekonferenz eine gesichtswahrende Lösung für alle Seiten gefunden: Die "klassischen" Ressorts wie etwa das Finanz-, Wirtschafts-, Justiz-, Innen- und Außenministerium bleiben zunächst in der ersten Reihe. Aber wenn eines dieser Ministerien über drei Quartale hinweg weniger gefragt wird als ein Ressort in der zweiten Reihe, nimmt es an der Rotation der Plätze teil - die für weniger geltungsbedürftige Häuser ohnehin gilt.

 
German Chancellor Angela Merkel addresses media during a news conference at Bundespressekonferenz in Berlin, September 17, 2012. Merkel said on Monday that she hoped to have agreed by the end of the year a process towards closer political co-ordination and greater accountability within the euro zone. REUTERS/Tobias Schwarz (GERMANY - Tags: POLITICS)