Arbeitslosenzahl überspringt Drei-Millionen-Marke

Donnerstag, 31. Januar 2013, 14:50 Uhr
 

Nürnberg (Reuters) - Erstmals sei März vorigen Jahres sind in Deutschland wieder mehr als drei Millionen Menschen arbeitslos.

Im Januar registrierte die Bundesagentur für Arbeit (BA) 3,138 Millionen Arbeitslose und damit den höchsten Stand seit fast zwei Jahren. Dennoch stemmt sich der Arbeitsmarkt mit Erfolg gegen den Abwärtssog, der vom europaweiten Wirtschaftseinbruch ausgeht. Die BA führte den Anstieg der Arbeitslosenzahl am Donnerstag allein auf saisonale Gründe wie das Winterwetter und Entlassungen nach dem Weihnachtsgeschäft zurück. Die Rezession in Europa und die schwache Weltkonjunktur hätten auf dem Arbeitsmarkt "nur wenig Spuren hinterlassen", sagte BA-Chef Frank-Jürgen Weise.

Volkswirte bei den Banken werteten die Zahlen als Hinweis darauf, dass sich die Stimmung in den Unternehmen aufhellt. "Die Daten sind eine positive Überraschung", sagte Peter Meister von der BHF Bank. "Die Stimmung dreht." Den Rückgang der Wirtschaftsleistung in Deutschland im vierten Quartal 2012 sähen die Unternehmen "als temporäre Schwächephase". Thomas Gitzel von der VP Bank sagte: "Die Stimmungsaufhellung ist allgegenwärtig." Ein deutlicher Stellenaufbau werde aber auf sich warten lassen, auch weil sich die Auftragslage noch nicht verbessert habe.

Die Zuversicht resultierte auch daraus, dass die Erwerbslosenzahl unter Herausrechnung der jahreszeitlichen Schwankungen überraschend um 16.000 zurückging. Volkswirte bei den Banken hatten eine Zunahme um 8000 erwartet. Dieser rechnerische Rückgang könnte sich jedoch im Februar als übertrieben erweisen. Der Wintereinbruch spiegelt sich in den Zahlen noch nicht wider, weil bis zum Zähltag am 15. Januar gutes Wetter herrschte. "Die etwas kältere Zeit wird sich in die Zahl des Februars mit einmischen", sagte Weise.

BA: ANSTIEG ALLEIN JAHRESZEITLICH BEDINGT

Die BA registrierte im Januar 298.000 Arbeitslose mehr als im Dezember und 54.000 mehr als vor einem Jahr. Noch mehr hatte es zuletzt im März 2011 mit gut 3,2 Millionen gegeben. Über drei Millionen Arbeitslose waren zuletzt im März 2012 registriert. Die Arbeitslosenquote stieg im Januar auf 7,4 Prozent.

"Der aktuelle Anstieg der Arbeitslosigkeit hat rein saisonale Gründe", sagte Weise. In den Außenberufen wie am Bau werde wegen des im Januar in der Regel schlechteren Wetters weniger gearbeitet, viele befristete Verträge liefen nach dem Weihnachtsgeschäft aus und die Betriebe stellten generell zu dieser Jahreszeit nicht so viele neue Mitarbeiter ein.

Die Erwerbstätigkeit und die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung nahmen weiter zu. Das Plus zum Vorjahr wird aber immer kleiner. Beim Ausblick bleibt die BA vorsichtig. "Für das Jahr 2013 insgesamt gilt die Überschrift: Unsicherheit", sagte Weise. Die BA gehe weiter von 2,9 bis 3,0 Millionen Arbeitslosen im Jahresdurchschnitt und einem Verharren der Beschäftigung auf hohem Niveau aus. Die Zahl der konjunkturellen Kurzarbeiter habe sich kaum verändert und gebe keinen Anlass zur Sorge.

VON DER LEYEN: LAGE ERFREULICH STABIL

Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) wertete die Zahlen als Beleg dafür, dass die Unternehmen "besonnen und umsichtig durch die Krise" steuerten und konjunkturelle Schwankungen ohne größere Entlassungen ausgleichen könnten. Die Grünen-Arbeitsmarktpolitikerin Brigitte Pothmer bezeichnete es als Kuriosität der Denkweise von der Leyens, "dass an steigenden Arbeitslosenzahlen das Wetter Schuld ist, für den Rückgang aber stets die Bundesarbeitsministerin höchstpersönlich verantwortlich sein will". SPD-Vizefraktionschef Hubertus Heil warf der Ministerin vor, ihre Kürzungen in der aktiven Arbeitsmarktpolitik hinterließen tiefe Spuren.

 
People walk at sunset past a section of the former Berlin Wall near a construction site in Berlin July 21, 2012. REUTERS/Thomas Peter (GERMANY - Tags: BUSINESS CONSTRUCTION)