Industrie für Prüfung von Schiefergas-Förderung in Deutschland

Samstag, 2. Februar 2013, 14:24 Uhr
 

München (Reuters) - Die Förderung von Schiefergas sollte nach Ansicht der Industrie auch in Deutschland geprüft werden.

"Wenn wir dies sofort ablehnen, geraten wir international ins Hintertreffen", sagte der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Ulrich Grillo, am Samstag der Nachrichtenagentur Reuters am Rande der Münchner Sicherheitskonferenz. Man müsse die Schiefergas-Nutzung ergebnisoffen prüfen.

Hintergrund der Forderung ist der Schiefergas-Boom in den USA. Als Folge sind dort die Gaspreise auf ein Drittel des deutschen Niveaus gefallen. Wirtschaftsminister Philipp Rösler hatte vor einer Abwanderung energieintensiver Unternehmen gewarnt, die jetzt schon zu beobachten sei. "Falls in Deutschland von vornherein eine Förderung ausgeschlossen wird, wird das Land im internationalen Wettbewerb abgehängt", sagte auch Grillo. In der Bundesrepublik gibt es etwa in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen größere Schiefergas-Vorkommen. Der Bundesrat hatte die Regierung am Freitag aufgefordert, erst dann die Förderung zu genehmigen, wenn Umweltschäden ausgeschlossen seien.

Grillo verwies auf Erfahrungen in den USA, die auch in Deutschland beachtet werden müssten. "Angesichts der Umweltbedenken ist es völlig richtig, dass die Bevölkerung eng eingebunden werden muss", betonte der BDI-Präsident. In den USA habe sich aber gezeigt, dass eine grundsätzliche Ablehnung unsinnig und überflüssig sei. "In den Vereinigten Staaten haben auch die Umweltverbände umgedacht. Statt die Förderung völlig abzulehnen, konzentrieren sie sich jetzt darauf, dass die Nutzung des Schiefergases möglichst umweltfreundlich geschieht. Das ist der richtige Weg."

Beim sogenannten Fracking werden Wasser und Chemikalien mit hohem Druck in Gestein gepumpt, um an die dort lagernden Gas- und Ölvorkommen zu kommen. Eine ähnliche Methode wird aber in Deutschland schon seit Jahrzehnten für die Förderung konventionellen Gases verwendet. Grillo verwies darauf, dass Deutschland zudem eine leistungsfähige chemische Industrie habe, die an möglichst umweltfreundlichen Verfahren arbeite.

 
President of the BDI German Industry Association Ulrich Grillo speaks at a ceremonial act of the BDI in Berlin January 29, 2013. German industry is worried about a currency devalution race following recent decisions by the Bank of Japan to ease policy, BDI industry federation chief Ulrich Grillo said on Tuesday. REUTERS/Thomas Peter (GERMANY - Tags: POLITICS BUSINESS)