Merkel will in Familienpolitik mehr Wahlfreiheit der Eltern

Mittwoch, 6. Februar 2013, 07:20 Uhr
 

Bremen (Reuters) - In der Debatte um die Familienpolitik hat Bundeskanzlerin Angela Merkel mehr Einsatz für die Wahlfreiheit von Eltern gefordert.

Die Förderung von Familien dürfe sich nicht auf ein Lebensmodell beschränken, sagte Merkel am Dienstag beim Neujahrsempfang der Bremer CDU. Die Menschen könnten selbst über die Gestaltung ihres Lebens entscheiden. Allerdings sei über viele Jahre nur über Wahlfreiheit gesprochen, sie sei aber nicht geschaffen worden. "Weil vielleicht auch manches männliche Wesen oder auch manches weibliche Wesen in unserer Partei gedacht hat, wir sagen Wahlfreiheit, aber wir schaffen mal nicht die Voraussetzungen, dass jeder auch Beruf und Familie vereinbaren kann", sagte die CDU-Chefin. Es gebe deshalb einen "Riesennachholbedarf".

Merkel bekräftigte, vorrangiges Ziel der Familienpolitik sei die Schaffung möglichst guter Bedingungen für eine Entscheidung von Paaren für Kinder. Die Wirksamkeit der Leistungen messe sich aber nicht an einer unmittelbaren Steigerung der Geburtenrate. Ein laut "Spiegel"-Bericht kritisches Gutachten zur Effektivität der milliardenschweren Fördermaßnahmen hatte aktuell die Diskussion um die Familienpolitik angeheizt.

Merkel forderte mehr Toleranz der Gesellschaft gegenüber verschiedenen Lebensmodellen. Das Streben nach Vereinbarkeit von Familie und Beruf dürfe nicht dahin umschlagen, "...dass jeder, der mal drei Jahre zu Hause bleibt, schräg angeguckt wird". Oder, dass die Erfolgschancen eines Kindes angezweifelt würden, wenn es mit anderthalb noch nicht in der Krippe sei. "Ich sage aber auch ausdrücklich, das Umgekehrte muss auch aufhören." Wenn ein Kind mit elf Monaten außerhalb des Elternhauses betreut werde, dürfe nicht gefragt werden, ob aus dem Kind noch etwas werden könne. Beides sei nicht richtig.