Wirtschaft setzt auf Teilzeitausbildung junger Eltern

Mittwoch, 6. Februar 2013, 17:15 Uhr
 

Berlin (Reuters) - In Zeiten knapper Fachkräfte will die Wirtschaft verstärkt junge Eltern für eine Berufsausbildung gewinnen.

Ihre Spitzenverbände und die Bundesregierung warben am Mittwoch für eine Ausbildung in Teilzeit. Fast die Hälfte aller jungen Mütter und ein Drittel aller Väter unter 25 Jahren ohne Berufsabschluss besuchten weder eine Schule noch absolvierten sie eine Ausbildung, sagte die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Maria Böhmer (CDU). Dennoch gebe es jährlich nur etwa 1200 Ausbildungsverträge in Teilzeit. "Dafür muss man werben", sagte Böhmer.

Der Lehrstellenmarkt ist davon gekennzeichnet, dass mit dem demografischen Wandel die Zahl der Schulabgänger und damit auch die Zahl der Lehrstellenbewerber sinkt. Zugleich war im vorigen Jahr das Ausbildungsplatzangebot leicht zurückgegangen. Zum Stichtag 30. September war die Zahl neu abgeschlossener Ausbildungsverträge laut Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) im Vorjahresvergleich um 3,2 Prozent auf 551.300 gesunken.

KAUM AUSBILDUNGSBEWERBER AUS SÜDEUROPA

Damit fällt es der Wirtschaft schwerer, durch eigene Ausbildung den Fachkräfte-Nachwuchs zu sichern. Auf Hilfe aus dem Ausland kann sie nicht hoffen. Trotz einer Arbeitslosigkeit von deutlich über 50 Prozent unter jungen Leuten in Spanien und Griechenland gibt es keinen Ansturm auf den Lehrstellenmarkt. Jugendliche aus Südeuropa kämen "momentan vereinzelt", sagte das Vorstandsmitglied der Bundesagentur für Arbeit (BA), Raimund Becker. "Das wird kein Massengeschäft werden."

Die Lage auf dem Ausbildungsmarkt bezeichnete Arbeitgeber-Präsident Dieter Hundt als "für die Jugendlichen sehr gut". Für das laufende Jahr gebe es keinerlei Anzeichen, dass die von der Wirtschaft angebotenen Ausbildungsstellen rückläufig seien. Es werde aber in einzelnen Regionen schwerer fallen, Lehrstellen passend zu besetzen. "Es wird immer schwieriger, Jugendliche und Betriebe zusammenzubringen", sagte Hundt. Die Kultusminister der Länder forderte er auf, "Maßnahmen zur Sicherstellung der Ausbildungsreife" zu ergreifen. Laut Pisa-Studie seien knapp 20 Prozent der Schüler nicht ausbildungsreif.

SPD-Politikerin Anette Kramme forderte ein "Sofortprogramm 2. Chance auf Berufsausbildung". Die SPD-Fraktion arbeite dafür die Grundpfeiler aus, um denjenigen den Weg zur Ausbildung zu öffnen, "die es im ersten Anlauf nicht geschafft haben". Die Linkspartei kritisierte die Bilanz des Ausbildungspaktes von Wirtschaft und Regierung als einen "Pakt des Scheiterns". Jährlich würden knapp 300.000 Jugendliche in einem Übergangssystem wie etwa dem Berufsbildungsjahr als versorgt gezählt. BA-Vorstand Becker indes verwies darauf, dass in den vergangenen Jahren die Zahl der jungen Leute in diesem Übergangssystem von 450.000 auf 270.000 gesunken sei.