Wissenschaft streitet über Schavans Doktor-Entzug

Donnerstag, 7. Februar 2013, 18:02 Uhr
 

Berlin (Reuters) - Die Plagiatsvorwürfe gegen Bildungsministerin Annette Schavan haben in der Wissenschaft eine Diskussion über ihre politische Zukunft entfacht.

Kurz vor ihrer Rückkehr aus dem Ausland bekam die CDU-Politikerin am Donnerstag Rückendeckung namhafter Gelehrter, andere forderten dagegen den sofortigen Rücktritt der Ministerin. Der Zeitpunkt für das wohl entscheidende Treffen von Schavan mit Bundeskanzlerin Angela Merkel blieb zunächst im Dunkeln. Die Ministerin wird am Freitagabend von einer Südafrika-Reise zurück in Berlin erwartet. Unklar ist auch, wann Merkel vom EU-Gipfel in Brüssel zurückkehren wird. Offiziell ist dieser bis Freitagmittag angesetzt.

Der Präsident der Berliner Humboldt-Universität, Jan-Hendrik Olbertz, kritisierte die Entscheidung der Düsseldorfer Kollegen, Schavan den Doktortitel abzuerkennen. "Vom Verfahren her ist die Entscheidung der Uni Düsseldorf anzuzweifeln. Die Bewertung der fraglichen Textpassagen hatte nicht die nötige Tiefe", sagte er dem Magazin "Focus" laut Vorabmeldung. Auch der Präsident der Humboldt-Stiftung, Helmut Schwarz, sagte dem Magazin: "Eine Ministerin muss man nach ihrer Kompetenz und Leistung beurteilen." In dieser Hinsicht gebe es keinen Grund zum Rücktritt.

Der Präsident des Deutschen Hochschulverbandes, Bernhard Kempen, nannte es dagegen am Donnerstagabend im ZDF schwer vorstellbar, dass eine Bildungsministerin, die in Fragen des wissenschaftlichen Arbeitens Vorbild sein sollte, sich in einem "Titel-Kampf" befinde. "Ich glaube, da wäre sie gut beraten, das Amt aufzugeben." Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft hatte bereits zuvor Schavan den Rücktritt nahegelegt. Der frühere Kulturstaatsminister Julian Nida-Rümelin forderte Schavan ebenfalls zum raschen Amtsverzicht auf. "Ich wundere mich offen gestanden, dass es überhaupt eine Diskussion darüber gibt", sagte der Philosoph dem Sender 3sat.

Der Rat der Philosophischen Fakultät hatte der 57-jährigen Ministerin am Dienstagabend den Doktortitel entzogen. Schavan habe "systematisch und vorsätzlich gedankliche Leistungen vorgegeben", die sie nicht selbst erbracht habe. Schavan will gegen die Aberkennung des Titels klagen und darf ihn daher vorerst weiter tragen.

Ihre politische Zukunft hat die Ministerin offengelassen. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich nicht klar zu Schavan als Ministerin bekannt. Über Regierungssprecher Steffen Seibert hatte sie ihrer langjährigen Vertrauten am Mittwoch zwar ihr "volles Vertrauen" ausgesprochen. Fragen zu Schavans Zukunft als Ministerin blieben bislang aber unbeantwortet. Seibert verwies stattdessen auf ein geplates Gespräch der beiden Politikerinnen nach Schavans Rückkehr. In Koalitionskreisen wurden ihr aber nur geringe Chancen auf einen Verbleib im Amt beigemessen.

Rückendeckung bekam Schavan von der Südwest-CDU. "Von uns als CDU Baden-Württemberg wird Frau Schavan alle Unterstützung bekommen, die wir ihr geben können", erklärte der CDU-Landesvorsitzende Thomas Strobl. Wie die Kanzlerin gesagt habe, müsse nun zunächst einmal in Ruhe die Rückkehr Schavans aus dem Ausland abgewartet werden. "Voreilige Urteile verbieten sich", warnte Strobl, der selbst als ein möglicher Nachfolger gilt.

 
The name sign of German Education Minister Annette Schavan is pictured in front of her empty cup before the cabinet meeting at the Chancellery in Berlin, February 6, 2013. Chancellor Angela Merkel's education minister was stripped of her doctorate on Tuesday for alleged plagiarism in her work, a move that could embarrass the German leader as she seeks election to a third term in office. REUTERS/Fabrizio Bensch (GERMANY - Tags: POLITICS)