Eklat nach FDP-Äußerungen über Röslers asiatisches Aussehen

Donnerstag, 7. Februar 2013, 19:29 Uhr
 

Berlin (Reuters) - Der hessische FDP-Chef Jörg-Uwe Hahn hat mit Äußerungen über das asiatische Aussehen des Bundesvorsitzenden Philipp Rösler einen Eklat ausgelöst.

Der "Frankfurter Neuen Presse" vom Donnerstag hatte der Justizminister gesagt: "Bei Philipp Rösler würde ich allerdings gerne wissen, ob unsere Gesellschaft schon so weit ist, einen asiatisch aussehenden Vizekanzler auch noch länger zu akzeptieren." Von SPD, Grünen und Linkspartei kam harsche Kritik. In der FDP wurden die Äußerungen als unglücklich bezeichnet. Hahn ist auch hessischer Integrationsminister und gehört dem Präsidium der Bundespartei an.

Der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Landtagsfraktion, Günter Rudolph, bezeichnete Hahns Äußerung als "hinterhältige Attacke" gegen seinen Parteivorsitzenden. Dass Hahn infrage stelle, ob unsere Gesellschaft einen asiatisch aussehenden Vizekanzler noch länger akzeptiere, sei eine "stillose Entgleisung". Der hessische Grünen-Fraktionschef Tarek Al-Wazir sprach von einer "völlig inakzeptablen Formulierung". "Der hessische Integrationsminister und stellvertretende Ministerpräsident müsste gerade auf diesem Gebiet eine glasklare Sprache sprechen, die keinerlei Raum für Interpretationen lässt." Al-Wazir warf die Frage auf: "Könnte es sein, dass ein Teil des Akzeptanzproblems von Philip Rösler in der FDP auch seine vietnamesische Herkunft ist?"

Der FDP-Integrationspolitiker Serkan Tören sagte dem "Tagesspiegel" vom Freitag laut Vorabbericht, Hahns Äußerungen könnten durchaus zu Missdeutungen führen. "Für uns zählt, was jemand leistet und nicht die Herkunft." Hahn selbst stellte später klar, seine Bemerkung sei keinesfalls als Angriff auf Rösler zu verstehen. "Ich habe darauf hinweisen wollen, dass es in unserer Gesellschaft einen weit verbreiteten, oft unterschwelligen Rassismus gibt." Dieses gesellschaftliche Problem dürfe man nicht totschweigen, sondern müsse es offen ansprechen, um es zu bekämpfen.

Die Bundesspitze wollte sich offiziell nicht äußern. Allerdings hieß es aus der Partei, Hahn gelte nicht als Rassismus-verdächtig. Es handele sich wohl um eine unbedachte Äußerung.