Parteiübergreifend Respekt für Papst-Rücktritt

Montag, 11. Februar 2013, 14:00 Uhr
 

Berlin (Reuters) - Die Entscheidung von Papst Benedikt XVI., aus gesundheitlichen Gründen Ende dieses Monats sein Amt niederzulegen, ist in der deutschen Politik über die Parteigrenzen hinweg mit Respekt aufgenommen worden.

Als Christ und zumal als Katholik reagiere man mit Bewegung, sagte der Sprecher der Bundesregierung, Steffen Seibert am Montag in Berlin. Der Pontifex habe in seiner fast achtjährigen Amtszeit seine ganz persönliche Handschrift als Denker und Hirte eingebracht. Bundeskanzlerin Angela Merkel wollte sich am Nachmittag persönlich äußern.

Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU), FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle und SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles äußerten ihren Respekt und ihr Bedauern angesichts der Entscheidung des Papstes. Benedikt XVI. hatte am Montag in Rom vor der Vollversammlung der Kardinäle mitgeteilt, er werde am 28. Februar aus gesundheitlichen Gründen sein Amt niederlegen.

SEEHOFER: PAPST AUS BAYERN HAT IN ALLER WELT BEGEISTERT

"Die Entscheidung von Papst Benedikt XVI. verdient größten Respekt, auch wenn ich sie persönlich zutiefst bedauere", erklärte Ministerpräsident und CSU-Chef Seehofer. In dessen Bundesland im oberbayerischen Marktl war Papst Benedikt XVI. vor fast 86 Jahren am 16. April 1927 unter dem bürgerlichen Namen Joseph Ratzinger zur Welt gekommen. "Mit seiner charismatischen Ausstrahlung und seinem unermüdlichen Einsatz für das Wohl der Kirche hat der Papst aus Bayern die Menschen in aller Welt begeistert", sagte Seehofer.

Der Vorsitzende der FDP-Bundestagsfraktion, Brüderle, erklärte, die Entscheidung sei dem Papst sicher schwer gefallen. "Die Menschen in Deutschland, auch diejenigen, die nicht katholischen Glaubens sind, hatten während seines Pontifikats das Gefühl: 'Wir sind Papst'", erklärte Brüderle. Dessen Verdienste seien unbestritten: "Er hat sich um die Ärmsten dieser Welt gekümmert und immer den Dialog auch mit Andersgläubigen gesucht."

SPD-Generalsekretärin Nahles reagierte auf die Ankündigung des Papstes "mit Bedauern und größtem Respekt". Die Katholikin sagte "suedddeutsche.de": "Wenn Papst Benedikt XVI. nach reiflicher Überlegung und im Gebet zu dem Schluss gekommen ist, dass er das Papstamt und die damit verbundene Leitung der katholischen Kirche nicht mehr in vollem Umfang ausfüllen kann und zurücktritt, so gebührt ihm für diese Entscheidung höchste Achtung." Mit seinem gesamten theologischen Werk, als Bischof, als Präfekt der Kongregation für die Glaubenslehre und seit 2005 als Oberhaupt der katholischen Weltkirche sei der Papst "mit aller Überzeugung" dafür eingetreten, "dass der christliche Glaube nicht nur Bekenntnis fordert, sondern auch Vernunft und Verantwortung".