Parteiübergreifend Respekt für Rückzug des Papstes

Montag, 11. Februar 2013, 16:42 Uhr
 

Berlin (Reuters) - Die Entscheidung von Papst Benedikt XVI., aus gesundheitlichen Gründen Ende Februar sein Amt niederzulegen, ist in Deutschland über die Parteigrenzen hinweg mit Respekt aufgenommen worden.

Bundespräsident Joachim Gauck bescheinigte dem Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche am Montag "großen Mut und Selbstreflexion". Der Papst habe mit seiner einfachen Sprache auch Nicht-Katholiken den Weg zum Glauben geöffnet. Bundeskanzlerin Angela Merkel würdigte, dass der vor fast 86 Jahren in Bayern geborene Pontifex den Dialog der Kirchen gefördert sowie Juden und Muslimen die Hand gereicht habe.

SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier erklärte, Papst Benedikt habe "seiner Kirche mit seiner großen geistlichen und intellektuellen Autorität Orientierung gegeben und Maßstäbe gesetzt". Die Deutsche Bischofskonferenz sprach von einer "großen und menschlichen Geste" des Papstes. Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) erklärte: "Der Schritt ist überraschend und ein tiefer Einschnitt für uns alle."

MERKEL: BÜRDEN DES ALTERNS TREFFEN AUCH PAPST

Das Oberhaupt von etwa einer Milliarde Katholiken in der Welt hatte am Montag vor der Vollversammlung der Kardinäle in Rom angekündigt, dass er am 28. Februar sein Amt niederlegen werde. "Wenn der Papst selbst jetzt nach reiflicher Prüfung zum Entschluss gekommen ist, seine Kraft reiche nicht mehr für die Ausübung des Amtes, so hat das meinen allerhöchsten Respekt", sagte Merkel. "In unserem Zeitalter immer längeren Lebens werden viele Menschen nachvollziehen können, wie sich auch der Papst mit den Bürden des Alterns auseinandersetzen muss." Auf seinen Reisen in Deutschland habe er die Herzen der Gläubigen erreicht. Seine Rede vor dem Bundestag 2011 sei eine Sternstunde des Parlaments gewesen.

Die Entscheidung des Papstes verdiene ungeteilten Respekt, erklärte Steinmeier: "Unvergessen sind sein Deutschlandbesuch im Jahre 2011 und die vorsichtige Öffnung zu den Kirchen der Reformation, für die vor allem sein Besuch in Erfurt stand." Als Protestant wünsche er sich, dass die katholische Kirche unter seinem Nachfolger diesen Weg der Öffnung mit Nachdruck weiter verfolge. SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles erklärte, Papst Benedikt habe die Brücken zwischen Religionen und Weltanschauungen und zwischen säkularer und christlicher Welt gesucht: "Das bleibt ein herausragender Beitrag für mehr Menschlichkeit und Frieden in unserem Jahrhundert."

Die Spitzenkandidaten der Grünen für die Bundestagswahl, Katrin Göring-Eckardt und Jürgen Trittin, würdigten Papst Benedikts Eintreten für eine gerechtere Weltwirtschaftsordnung und gegen Hunger und Armut. "Mit vielen anderen Positionen, wie etwa zur Empfängnisverhütung und zur Homosexualität, sind wir Grüne nicht einverstanden", erklärten sie. Der Papst mache mit seinem Schritt deutlich, dass ein verliehenes Amt durch Wahl auf einen Nachfolger übertragen werden könne: "Damit hält ein Stück mehr Demokratie Einzug in die katholische Kirche."

SEEHOFER: PAPST AUS BAYERN HAT IN ALLER WELT BEGEISTERT

Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) erklärte, persönlich bedauere er die Entscheidung zutiefst. "Mit seiner charismatischen Ausstrahlung und seinem unermüdlichen Einsatz für das Wohl der Kirche hat der Papst aus Bayern die Menschen in aller Welt begeistert", sagte Seehofer. FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle erklärte, die Entscheidung sei dem Papst sicher schwer gefallen: "Er hat sich um die Ärmsten dieser Welt gekümmert und immer den Dialog auch mit Andersgläubigen gesucht."

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, erklärte, ein bleibendes Anliegen des Papstes sei es, Glaube und Vernunft miteinander zu versöhnen. Es werde "viel von ihm bleiben, denn Theologie und Kirche hat er nachhaltig geprägt, als Brückenbauer, als Hirte seiner Herde, als Wissenschaftler und Lehrer". ZdK-Präsident Alois Glück sprach von einem "Tag des Dankes und der Wertschätzung" für den Papst, der aus gesundheitlichen Gründen zurücktrete. "Alle anderen Spekulationen sind unangemessen", erklärte Glück.

Auch die Oberhäupter anderer Kirchen sprachen dem Papst ihren Respekt aus. Justin Welby, Erzbischof von Canterbury und Oberhaupt der anglikanischen Kirche mit etwa 80 Millionen Gläubigen, erklärte, Benedikt XVI. habe sein Amt "mit großer Würde, Einsicht und Mut ausgefüllt". Israels Oberrabbiner Yona Metzger lobte die Verdienste des Papstes im Dialog zwischen den großen Religionen. "Während seiner Amtszeit gab es die besten Beziehungen zwischen der Kirche und dem Oberrabbinat. Wir hoffen, dass sich das fortsetzt", erklärte Metzger.