Kirchenvertreter - Der neue Papst soll jünger sein

Dienstag, 12. Februar 2013, 12:47 Uhr
 

Berlin (Reuters) - Der Nachfolger von Papst Benedikt XVI. sollte nach Ansicht ranghoher deutscher Kirchenvertreter deutlich jünger sein als der Amtsinhaber bei seiner Wahl zum Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche.

"Nicht älter als 70, würde ich sagen", zitierte der "Kölner Stadt-Anzeiger" am Dienstag den Kölner Erzbischof, Joachim Kardinal Meisner. Der Berliner Kardinal Rainer Maria Woelki sagte, der Papst dürfe aber auch nicht zu jung sein. Es sei "nicht verkehrt, wenn ein Papst im Alter von Mitte 60 bis Anfang 70 ist", sagte Woelki dem RBB. Andernfalls sei es eine lange Zeit, die der Papst das schwere Amt ausüben müsse.

Der Ende des Monats ausscheidende Papst war vor fast acht Jahren als 78-Jähriger zum Kirchenoberhaupt gewählt worden. Am Montag hatte er angekündigt, aus gesundheitlichen Gründen das Amt am Abend des 28. Februar niederzulegen. Zur Wahl eines Nachfolgers wird danach das Konklave einberufen. Die Versammlung der Kardinäle dürfte noch vor Ostern einen neuen Papst wählen.

LAIEN SEHEN KEINEN FAVORITEN FÜR DIE NACHFOLGE

Der Nachfolger müsse "sicher ein Mann von ähnlich hoher Bildung wie Joseph Ratzinger, mit großer menschlicher Erfahrung und - vor allem - von vitaler Gesundheit sein", sagte Meisner. Der Berliner Erzbischof Woelki betonte, der Papst müsse ein Seelsorger sein, der ein Herz für die Menschen habe.

Nach Einschätzung von Laienorganisationen wie dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) zeichnet sich kein Favorit für die Nachfolge des aus Bayern stammenden Papstes ab. In vielen Regionen der Welt stünden Christen unter Druck und seien sogar gefährdet, sagte ZdK-Präsident Alois Glück im Deutschlandradio Kultur. Seine Erwartung an einen neuen Papst sei, dass "vielleicht die Vielfalt und Einheit (...) aufs Neue etwas gestaltet wird".

Die Reformbewegung "Wir sind Kirche" forderte, das System Kirche zu verändern. Deren Sprecher Christian Weisner sagte im RBB, der nächste Papst müsse einer werden, der "einen Blick in die Ferne hat, der nach Lateinamerika, nach Afrika blickt, aber genauso gut auch Europa versteht, aber vor allen Dingen einer, der (...) den Vatikan neu gestalten muss".

Der Tübinger Theologe Hans Küng hält es aber für unwahrscheinlich, dass auf Papst Benedikt XVI. ein Systemveränderer folgen könnte. Das Konklave habe schon immer so entschieden, dass sich "niemand zu einem neuen Gorbatschow entwickeln" könne, sagte Küng dem Südwestrundfunk. Es sei "durchaus möglich", aus Lateinamerika einen Papst zu finden. Die Italiener seien allerdings durch Benedikt XVI. "wieder zu einer großen Macht im Kardinalskollegium geworden". Sie würden sich bemühen, einen Italiener wie Kardinal Angelo Scola zum Papst zu wählen.

EUROPÄER STÄRKSTE GRUPPE IM WAHLGREMIUM

Der 71-jährige Mailänder Erzbischof Scola wird am häufigsten genannt für den Fall, dass sich das Konklave erneut für einen Europäer entscheidet. Allerdings könnte die Zeit reif sein für einen Pontifex aus Südamerika oder Afrika. In Südamerika leben 42 Prozent der weltweit 1,2 Milliarden Katholiken. Im Konklave stellen aber die Europäer die bei weitem größte Gruppe: Etwa die Hälfte der Kardinäle in dem Wahlgremium stammt aus Europa.