Deutsche Unternehmen wollen 150.000 Stellen schaffen

Dienstag, 12. Februar 2013, 14:06 Uhr
 

Berlin (Reuters) - Trotz Konjunkturflaute wollen die deutschen Unternehmen 2013 das achte Jahr in Folge neue Stellen schaffen.

"Das gab es seit der Wiedervereinigung noch nie und in der Bundesrepublik zuletzt zu Zeiten des Wirtschaftswunders 1950 bis 1965", sagte der Chefvolkswirt des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Alexander Schumann, am Dienstag in Berlin. Die Zahl der Erwerbstätigen werde um 150.000 steigen, prognostizierte der Verband nach einer Umfrage unter 28.000 Mitgliedsfirmen.

Allerdings dürfte die Zahl der Arbeitslosen trotzdem leicht um 4000 auf 2,94 Millionen steigen. Grund: Der Stellenzuwachs speist sich vor allem aus Zuwanderern aus Europa und der "stillen Reserve" - also beschäftigungslosen Personen, die nicht arbeitslos gemeldet waren. "Der Jobmotor läuft auch in diesem Jahr rund, wenn auch mit niedrigerer Drehzahl", sagte Schumann. 2012 wurden noch mehr als 420.000 neue Stellen geschaffen.

EIN KONJUNKTURELL GUTES JAHR

Der DIHK rechnet wie schon im vergangenen Jahr mit einem Wirtschaftswachstum von 0,7 Prozent. Er ist damit optimistischer als Bundesregierung und Bundesbank, die lediglich ein Plus von 0,4 Prozent vorhersagen. "2013 hat das Zeug, konjunkturell ein gutes Jahr zu werden", sagte DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben. 38 Prozent der Unternehmen beurteilen ihre Geschäftslage als gut, lediglich elf Prozent als schlecht. Die Aussichten werden besser beurteilt als noch im Herbst, die Industrie rechnet sich wegen der Beruhigung der Schuldenkrise wieder bessere Exportchancen aus.

"Große Sprünge sind zwar nicht in Sicht", sagte Wansleben. "Die Einschätzungen der Unternehmen sprechen jedoch dafür, dass die Wirtschaft im Laufe des Jahres Fahrt aufnimmt." Als Risiko für den Aufschwung gilt neben dem Wiederaufflammen der Schuldenkrise vor allem ein Anstieg der Energiepreise. Die Industrie drohe besonders im Wettbewerb mit den USA ins Hintertreffen zu geraten. Die US-Unternehmen können Energie deutlich billiger einkaufen, weil die weltgrößte Volkswirtschaft schon in wenigen Jahren durch die umstrittene Förderung von Schiefergas zum Energieexporteur aufsteigen werde.

AUCH REGIERUNG ERWARTET TRENDWENDE

Im vierten Quartal war das Bruttoinlandsprodukt nach Prognose des Statistischen Bundesamtes mit 0,5 Prozent so stark eingebrochen wie seit der Finanzkrise Anfang 2009 nicht mehr. Für das laufende erste Quartal rechnen die von Reuters befragten Ökonomen wieder mit einem Wachstum von 0,2 Prozent. Auch das Bundeswirtschaftsministerium erwartet ein baldiges Ende der Konjunkturschwäche. "Die Perspektiven für die deutsche Wirtschaft hellen sich allmählich auf", heißt es im aktuellen Monatsbericht.