Bewegung im Tarifstreit am Hamburger Flughafen

Mittwoch, 20. Februar 2013, 19:11 Uhr
 

Hamburg (Reuters) - Nach mehreren Streiktagen der Sicherheitsleute und hunderten Flugausfällen in Hamburg wollen Arbeitgeber und Gewerkschaft wieder miteinander reden.

Für Donnerstag sei ein Treffen auf Geschäftsführerebene vereinbart worden, teilte die Gewerkschaft mit. Die Arbeitsniederlegungen würden daher bis einschließlich Freitag ausgesetzt. "Wir werden daran mitwirken, dass eine Landebahn vorbereitet wird, auf der eine tragfähige Tariflösung aufsetzen kann", kündigte Verdi-Verhandlungsführer Peter Bremme an. In Nordrhein-Westfalen setzt die Gewerkschaft dagegen weiter auf Streiks: In Düsseldorf und Köln-Bonn legen die Sicherheitsleute am Donnerstag erneut ihre Arbeit nieder. Indes soll sich der Ausstand nicht mehr über den ganzen Tag erstrecken, kündigte Verdi an.

Am Mittwoch war wegen des Streiks erneut die Mehrzahl der Flüge in Hamburg ausgefallen. Bis zum frühen Nachmittag wurden 115 von 181 geplanten Abflüge gestrichen, wie der Flughafen mitteilte. Auch 25 Landungen seien ausgefallen. Mit Beginn der Arbeitsniederlegungen am frühen Morgen hatten sich lange Schlangen mit Wartezeiten von mehr als drei Stunden gebildet. Mehrere Reisende hätten wegen Kreislaufproblemen medizinisch behandelt werden müssen, zwei seien ins Krankenhaus eingeliefert worden. "Die Situation war sehr unschön", berichtete eine Flughafensprecherin.

Am Vormittag habe sich die Situation etwas entspannt, weil der mit den Sicherheitskontrollen beauftragte Dienstleister Ersatzpersonal beschafft habe. Dadurch hätten vier Kontrolllinien geöffnet werden können. Die Wartezeit sei mit einer Stunde aber immer noch lang gewesen. Am frühen Morgen war lediglich eine von insgesamt 20 Kontrollstellen geöffnet.

300.000 EURO FEHLEN PRO TAG IN DER KASSE

Die Einnahmeausfälle der Flughafengesellschaft, die selbst mit dem Tarifstreit zwischen Gewerkschaft Verdi und dem Arbeitgeberverband BDSW nichts zu tun hat, summieren sich nach Unternehmensangaben inzwischen auf über eine Million Euro. An jedem Streiktag fielen etwa 300.000 Euro an Passiergebühren, Zahlungen der Fluggesellschaften für Starts und Landungen sowie an Einnahmen in der Gastronomie und den Parkhäusern aus, erläuterte eine Sprecherin.

Die rund 600 Mitarbeiter der Personenkontrolle am Hamburger Flughafen hatten bereits in der vergangenen Woche an zwei Tagen sowie im Januar an einem Tag die Arbeit niedergelegt und damit den Airport weitgehend lahm gelegt. Mehr als 100.000 Passagieren konnten nach Angaben der Flughafengesellschaft an den vier Streiktagen ihren Flug nicht antreten. Viele kamen erst gar nicht zum Flughafen, weil sie im Internet frühzeitig erfahren hatten, dass ihr Flug ausfällt.

Auch an anderen Flughäfen wurde in den vergangenen Wochen tageweise die Arbeit niedergelegt. Mit ihrem Arbeitskampf will die Gewerkschaft eine Erhöhung der Einkommen der Sicherheitsleute in Hamburg um 2,70 Euro auf 14,50 Euro pro Stunde durchsetzen. Die Arbeitgeber boten laut Verdi bislang 12,75 Euro. Die Wachleute in Hamburg werden zu Niedriglöhnen bezahlt und arbeiten überwiegend in Teilzeitverträgen. Die Gewerkschaft wirft den Arbeitgebern vor, in dem Tarifkonflikt auf Zeit zu spielen.

 
REUTERS/Fabrizio Bensch