Verband - Altmaier-Pläne machen Bahn-Tickets teurer

Freitag, 22. Februar 2013, 14:45 Uhr
 

Berlin (Reuters) - Bus- und Bahnfahrer müssen sich wegen der Energiewende auf steigende Ticketpreise einstellen.

Die Verkehrsunternehmen kündigten am Freitag einen Aufschlag von rund drei Prozent auf die Nahverkehrstarife an, sollten die jüngsten Regierungspläne umgesetzt werden. Fahrgäste sollten offenbar die Zeche für die Energiewende zahlen, sagte der Präsident des Verkehrsverbandes (VDV), Jürgen Fenske, in Berlin zur sogenannten Strompreisbremse von Umweltminister Peter Altmaier. Dieser will Groß-Verbraucher wie Bahnen stärker zur Ökostrom-Förderung heranziehen, um Haushalte zu entlasten. "Das wäre ein umweltpolitischer Sündenfall, denn es träfe ausgerechnet diejenigen, die aktiv zum Klimaschutz beitragen", sagte Fenske. "Wir halten dies für absurd und grotesk." Es sei auch für die gewünschte Verlagerung von Verkehr auf Busse und Bahnen gefährlich. 2012 kletterte die Zahl der Passagiere erneut auf fast zehn Milliarden.

Insgesamt bedeuteten die Pläne von Altmaier (CDU) für Stadtwerke und andere Verkehrsunternehmen Mehrbelastungen von 230 Millionen Euro im Jahr, sagte Fenske weiter. In Berlin würde dann die einfache Fahrt mindestens 2,50 Euro, in Frankfurt und München 2,70 Euro und in Köln 2,80 Euro kosten. Dazu könnten die üblichen Preiserhöhungen wegen der allgemeinen Energie- und Personalkostenbelastungen kommen.

REGIERUNG WILL STROMPREISBREMSE NOCH VOR DER WAHL

Die Regierung will noch vor der Bundestagswahl die Strompreise zum einen durch Einschnitte bei der Förderung des Ökostroms durchsetzen. Zum anderen sollen aber nur noch diejenigen Unternehmen von der Umlage für die erneuerbaren Energien befreit werden, die im internationalen Wettbewerb stehen. Dies trifft für U-Bahnen, Straßenbahnen aber auch den Personenverkehr der Deutschen Bahn nicht zu.

Altmaier braucht für seine Pläne auch die Opposition, damit sie den Bundesrat passieren können. Die Grünen haben bereits signalisiert, diesen Teil von Altmaiers Vorhaben mittragen zu wollen. Bei der SPD gibt es hingegen Widerstand. VDV-Präsident Fenske sagte, bei allen Parteien gebe es aber auf Landes- oder Kommunalebene Bedenken.

PASSAGIERZAHLEN STEIGEN TROTZ DEMOGRAFIE

Trotz der Alterung der Gesellschaft und niedrigere Schülerzahlen fuhren im vergangenen Jahr wieder mehr Menschen mit Bussen und Bahnen. Der VDV zählte 9,8 Milliarden Kunden und damit knapp ein Prozent mehr als 2011. Die Einnahmen stiegen um rund vier Prozent und decken damit 78 Prozent der Kosten ab. Der Rest wird durch öffentliche Zuschüsse aufgebracht.

Der Trend zum öffentlichen Nahverkehr hält seit Jahren an und wirkt sich vor allem in Großstädten und Ballungsräumen aus.