Deutscher Treibhausgas-Ausstoß stieg 2012 wieder

Montag, 25. Februar 2013, 13:13 Uhr
 

Berlin (Reuters) - In Deutschland sind 2012 wieder mehr Treibhausgase ausgestoßen worden, als in den Vorjahren.

Der Klimavertrag von Kyoto wird aber dennoch erfüllt. Der Ausstoß von Kohlendioxid (CO2) und anderer Gase kletterte 2012 um 1,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr, wie das Umweltbundesamt nach vorläufigen Berechnungen am Montag mitteilte. 2011 hatte es noch einen Rückgang gegeben. Grund für den Anstieg sei ein kälterer Winter, wodurch mehr Erdgas zum Heizen eingesetzt wurde. Zudem liefen Kohlekraftwerke mit relativ hohem CO2-Ausstoß länger, erklärte das Bundesamt. Der Ausbau der erneuerbaren Energien dämpfte den Anstieg allerdings. Umweltminister Peter Altmaier (CDU) verlangte erneut eine Reform des EU-Emissionshandels, um den Ausstoß zu dämpfen. Wirtschaftsminister Philipp Rösler lehnt dies aber ab.

Insgesamt hat Deutschland seine Verpflichtung zur Kappung des Treibhausgas-Ausstoßes aus dem Vertrag von Kyoto mehr als erfüllt. Die Emissionen gingen bis Ende 2012, dem Auslaufen des Vertrages, um mehr als ein Viertel (25,5 Prozent) im Vergleich zu 1990 zurück. Zugesagt hatte Deutschland ein Minus von 21 Prozent. Der Präsident des Umweltbundesamtes, Jochen Flasbarth, verwies darauf, dass trotz des Abschaltens älterer Atomkraftwerke der befürchtete starke Anstieg der Emissionen aus anderen Kraftwerken ausgeblieben sei. Dies sei durch den Ausbau des Ökostroms gelungen. Sorgen bereite ihm jedoch der Trend, nun wieder mehr Kohle zu verstromen.

Deutschland will den Ausstoß von CO2 bis 2020 um 40 Prozent reduzieren. Altmaier sprach von einem wichtigen Meilenstein auf dem Weg in diese Richtung, den man erreicht habe. "Es zeigt sich aber auch, dass für den gewünschten Umbau der Energieversorgung weitere Weichenstellungen nötig sind", sagte er. Er nannte die Sanierung und bessere Dämmung von Gebäuden, die Treibhausgas-Minderung im Straßenverkehr sowie eine Reform des europäischen Handels mit CO2-Verschmutzungsrechten.

Der Emissionshandel ist das europäische Kerninstrument zur Reduzierung der Gase. Die Rechte zum CO2-Ausstoß für Kraftwerke und Industriebetriebe werden von den Staaten teils verkauft oder auch gratis zugeteilt, aber allmählich verknappt. Wer zunehmend umweltfreundlich produziert, kann dies abfangen oder überschüssige Rechte an der Börse verkaufen. Dort ist der Preis für die Zertifikate jedoch eingebrochen, weil auch im Zuge der Wirtschaftskrise in Südeuropa weniger Rechte benötigt werden. Die EU will daher Zertifikate zeitweise einziehen, was Altmaier unterstützt aber auf Widerstand von Rösler trifft. Auch Polen wehrt sich dagegen.

Umweltbundesamt-Präsident Flasbarth verlangte sogar, die Zertifikate nicht nur zeitweise (Backloading) aus dem Markt zu nehmen, sondern dauerhaft einzuziehen. Dafür sollten dann auch die EU-Klimaziele verschärft werden. Während Deutschland ein Minus bis 2020 von 40 Prozent anstrebt, will die EU insgesamt nur 20 Prozent Treibhausgase einsparen.