IG Metall gibt sich vor Tarifrunde bescheidener

Mittwoch, 27. Februar 2013, 13:56 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Die IG Metall bleibt mit ihrer Tarifforderung hinter den Begehrlichkeiten anderer Gewerkschaften zurück.

Ihrem Willen nach sollen die Beschäftigten in der Metall- und Elektroindustrie in diesem Jahr 5,5 Prozent mehr Geld bekommen. Diese Empfehlung soll nun der Vorstand beschließen, wie der IG-Metall-Vorsitzende Berthold Huber am Dienstagabend in Frankfurt ankündigte. Am Bau stehen Forderungen von 6,6 Prozent, im öffentlichen Dienst 6,5 Prozent im Raum. Anders als die Metall-Arbeitgeber, die auf eine längere Laufzeit drängen, will sich die Gewerkschaft aber nur auf zwölf Monate einlassen. Die wirtschaftliche Entwicklung 2014 sei nur schwer zu prognostizieren, die IG Metall rechne dann aber eher mit einer anziehenden Konjunktur.

Huber äußerte die Hoffnung auf eine rasche Einigung mit den Arbeitgebern. "Ich sehe eine Chance, dass wir das schnell machen", sagte er. Der neue Gesamtmetall-Chef Rainer Dulger hatte einen Abschluss bis Mitte Mai ins Auge gefasst. Die neue Tarifrunde beginnt am 19. März in Bayern und im Bezirk Mitte (Hessen, Rheinland-Pfalz), ab Anfang Mai dürfte die IG Metall zu Streiks aufrufen, um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen. Huber warnte Gesamtmetall, mit einem Angebot unterhalb der Inflationsrate in die Verhandlungen zu gehen. "Ich erwarte auch von den Arbeitgebern Seriosität." Die Tarifkommissionen der IG Metall in Bayern und Baden-Württemberg haben bereits Forderungen von 5,5 Prozent empfohlen.

Huber verteidigte die relativ niedrig angesetzte Marke. Die IG Metall wolle nicht länger Vorreiter für andere Branchen sein. "Die alte Lokomotiv-Funktion gibt es nicht mehr." Die Gewerkschaft orientiere sich an der Summe aus Inflationsrate und Produktivitätszuwachs, den sie auf rund 3,5 Prozent beziffert. Mit der Differenz zu den geforderten 5,5 Prozent soll die Konjunktur über den privaten Konsum angekurbelt werden. Das erwarteten schließlich auch die Wirtschaftsforschungsinstitute und die sogenannten "Fünf Weisen".

"Tarifpolitik hat neben Gefühlen auch eine Logik", sagte Huber. Anders als 2012, als die IG Metall 4,3 Prozent mehr Lohn erstritten hatte, sehe sie diesmal aber keinen Nachholbedarf bei den Löhnen. Damals hatte sich die deutsche Wirtschaft schneller berappelt als von den Tarifparteien erwartet. 2012 stieg die Zahl der Beschäftigten um drei Prozent, die Produktivität aber kaum noch.

KAMPAGNE GEGEN WERKVERTRÄGE

Kopfzerbrechen macht der IG Metall, dass die Lage der einzelnen Unternehmen immer weiter auseinanderklaffe. "Die Spreizung hat zugenommen, und sie wird weiter zunehmen", sagte Huber. Selbst innerhalb einzelner Betriebe gebe es Gewinner und Verlierer, etwa bei Autozulieferern, die für Opel und für Volkswagen arbeiteten. Das müsse die Gewerkschaft ins Kalkül ziehen. "Der Flächentarifvertrag hat eine ausgleichende Wirkung", sagte der Gewerkschaftschef. Öffnungsklauseln nach oben und unten seien in der Vergangenheit wenig genutzt worden. In der Metall- und der Elektroindustrie arbeiten 3,7 Millionen Beschäftigte in Deutschland, es gelten die regionalen Tarifabschlüsse für rund 2,3 Millionen Metallarbeiter.

Die Gewerkschaft wolle diesmal nur über Geld verhandeln, betonte Huber. 2012 hatte sie auch Verbesserungen für die wachsende Zahl an Leiharbeitern in der Automobilindustrie und im Maschinenbau erstritten. Nun griffen viele Firmen zu anderen Mitteln, um Arbeit in Produktion sowie Forschung und Entwicklung nicht nach dem Metalltarif entlohnen zu müssen, kritisierte der stellvertretende IG-Metall-Chef Detlef Wetzel. Sie beschäftigen Subunternehmer mit Werkverträgen. "Unter diesen Firmen ist ein ruinöser Wettbewerb im Gange", sagte Wetzel. Die Gewerkschaft wolle diese Entwicklung mit einer Kampagne stoppen. Eine Lösung dafür in der Lohnrunde zu finden, würden die Verhandlungspartner aber überfordern, machte Huber deutlich.