Steinbrück löst mit "Clown"-Bemerkung Eklat aus

Mittwoch, 27. Februar 2013, 17:16 Uhr
 

Berlin (Reuters) - SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück hat mit seiner "Clown"-Äußerung über den Ausgang der Wahlen in Ialien einen diplomatischen Eklat ausgelöst.

Italiens Präsident Giorgio Napolitano sagte am Mittwoch kurzfristig ein für den Abend in Berlin geplantes Abendessen mit Steinbrück im Hotel Adlon ab, wie Steinbrücks Sprecher Michael Donnermeyer bestätigte. Begründet habe Napolitano die Absage mit den Äußerungen Steinbrücks vom Dienstagabend. Darin hatte Steinbrück den früheren italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi als Clown verspottet. Steinbrück habe Verständnis dafür, dass Napolitano das Treffen "aufgrund der innenpolitischen Lage in Italien" abgesagt habe, sagte Donnermeyer.

"CLOWN MIT BESONDEREM TESTOSTERON-SCHUB"

"Bis zu einem gewissen Grade bin ich entsetzt, dass zwei Clowns gewonnen haben", hatte Steinbrück am Dienstagabend bei einer Diskussionsveranstaltung über den Ausgang der Parlamentswahlen in Italien gesagt. Einer davon sei der Berufs-Komiker Beppe Grillo, der andere "definitiv ein Clown mit einem besonderen Testosteron-Schub". Er teile nicht die Einschätzung, dass der Wählerzulauf für Grillo und Berlusconi auf Protest gegen den Sparkurs der Regierung in der Euro-Krise zurückgehen könnte. "Mein Eindruck ist, dass in Italien zwei Populisten gewonnen haben", sagte Steinbrück. In dieser Lage werde das wieder zu größeren Problemen in der Euro-Zone beitragen.

Auch wenn die Linke um Pier Luigi Bersani die Abgeordnetenhauswahl gewonnen hatte, schnitten Berlusconi und Grillo überraschend stark ab. Im Senat konnte keiner der politischen Blöcke eine klare Mehrheit gewinnen.

Für Steinbrück ist die Erfahrung negativer Reaktionen im Ausland nicht neu. Im Steuerstreit mit der Schweiz drohte er den Nachbarn 2009 - damals noch im Amt des Bundesfinanzministers - mit der Kavallerie.

 
Former Prime Minister Silvio Berlusconi grimaces before casting his vote at a polling station in Milan February 24, 2013. REUTERS/Stefano Rellandini