Deutsche Arbeitslosenzahl legt im Februar nur leicht zu

Donnerstag, 28. Februar 2013, 10:59 Uhr
 

Nürnberg (Reuters) - Der Arbeitsmarkt in Deutschland hat die Wirtschaftsflaute zum Ende des vergangenen Jahres ohne Blessuren überstanden.

Während die Rezession in Europa in vielen Staaten Tribut fordert, zeigte sich der Arbeitsmarkt hierzulande auch im Februar stabil. Die Zahl der registrierten Arbeitslosen legte nur leicht um 18.000 auf 3,156 Millionen zu, wie die Bundesagentur für Arbeit (BA) am Donnerstag in Nürnberg mitteilte. "Der Anstieg geht auf winterliches Wetter zurück überwiegend", sagte BA-Chef Frank-Jürgen Weise. "Damit hat der deutsche Arbeitsmarkt die schwache wirtschaftliche Entwicklung (...) gut verkraftet und zeigt sich insgesamt weiter robust." Unter Herausrechnung der jahreszeitlichen Einflüsse ging die Arbeitslosenzahl um 3000 zurück. Von Reuters befragte Banken-Volkswirte hatten eine saisonbereinigte Abnahme um 5000 erwartet.

Die Arbeitslosenquote blieb unverändert bei 7,4 Prozent. Positiv ist auch der Trend im Vergleich zum Vorjahr. Im Februar waren zwar 46.000 Arbeitslose mehr registriert als vor einem Jahr. Der Abstand zum Vorjahr verringert sich seit Januar aber wieder. Im vorigen Monat lag die Differenz noch bei 54.000.

WEISE: ITALIEN BESTÄTIGT RISIKOFAKTOR VERSCHULDUNG

Volkswirte bei den Banken werteten die Zahlen positiv, zumal die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt die Verbraucherstimmung hebt und über den Konsum somit zur Stärkung der Konjunktur beitragen könnte. Anders sieht es in Frankreich aus: Beim europäischen Nachbarn grassiert die höchste Arbeitslosigkeit seit 15 Jahren. Die Franzosen sparen daher beim Konsum, wie das nationale Statistikamt am Donnerstag mitteilte.

"Der deutsche Arbeitsmarkt bleibt auf grundsolidem Niveau", sagte Carsten Brzeski von der ING-Bank. "Das deutsche Jobwunder hat dennoch etwas Glanz verloren. Doch auch ohne diese Aura bleibt der Arbeitsmarkt voraussichtlich weiter eine Stütze des Wachstums." Rainer Sartoris von HSBC Trinkaus verwies darauf, dass sowohl in der Industrie als auch bei den Dienstleistern die Zuversicht wachse, dass die Geschäfte wieder an Schwung gewännen. "In der zweiten Jahreshälfte dürften wieder mehr Jobs entstehen", sagte Sartoris.

In Deutschland haben Erwerbstätigkeit und sozialversicherungspflichtige Beschäftigung weiter zugelegt. Im Januar gab es laut Statistikamt rund 41,40 Millionen Erwerbstätige und damit 239.000 mehr als vor Jahresfrist. Sozialabgabenpflichtig beschäftigt waren im Dezember nach einer Hochrechnung der BA 29,14 Millionen und somit 353.000 mehr als ein Jahr zuvor. Beschäftigungszuwächse gab es vor allem bei den wirtschaftlichen Dienstleistungen (ohne Zeitarbeit), im Verarbeitenden Gewerbe sowie im Gesundheits- und Sozialwesen. Die konjunkturelle Kurzarbeit bewegt sich laut BA mit knapp 72.000 Kurzarbeitern im Dezember auf normalem Niveau.

Als ein Risiko für die weitere Entwicklung sieht Weise den Umgang mit den Staatsschulden in Europa. Die ungewisse Entwicklung in Italien nach den Parlamentswahlen bestätige dieses Risiko, sagte Weise: "Es erhöht es nicht, aber es nimmt es auch nicht raus." Während bei Spanien und Frankreich die Lage einschätzbar sei, seien in Italien weder die Probleme einschätzbar noch "wohin man sich entscheidet".