Bundestag beschließt Leitplanken für Turbo-Börsenhandel

Donnerstag, 28. Februar 2013, 11:11 Uhr
 

Berlin (Reuters) - Der stark wachsende Turbo-Computerhandel an den Börsen bekommt in Deutschland eigene Leitplanken.

Der Bundestag verabschiedete am Donnerstag in Berlin einen Gesetzentwurf zur Regulierung des sogenannten Hochfrequenz-Handels. Es sieht vor, dass die Betreiber der IT-Systeme künftig von der Börsenaufsichtsbehörde BaFin überwacht werden. Auf eine Mindesthaltefrist für Börsenorders, die der von SPD und Grünen dominierte Bundesrat gefordert hatte, verzichtete die schwarz-gelbe Koalition. Aus ihrer Sicht hätte das den Hochfrequenzhandel von den deutschen Börsen vertrieben.

In Deutschland gehen rund 40 Prozent der Börsenumsätze auf die Turbo-Händler zurück, in den USA etwa 70 Prozent. Die neue Form des Handels war nach spektakulären Pannen in den USA ins Visier des Gesetzgebers gekommen. So hatte der Dow-Jones-Index beim sogenannten "Flash Crash" im Mai 2010 binnen Minuten 1000 Punkte verloren. Die Ursache war ein fehlerhafter Handels-Auftrag, dessen Effekte die Computer verstärkten.

Mit dem deutschen Regulierungsgesetz werden vor allem die Auskunfts- und Eingriffsrechte der BaFin erweitert. Bestimmte Handelspraktiken wie das "Scalping" werden verboten. Dabei wird versucht, durch irreführende Marktsignale Kurse zu beeinflussen. Außerdem werden die Computer-Orders markiert, um den Verursacher einer Panne zügig finden zu können. Bei hohen Preisschwankungen soll der Handel ferner unterbrochen werden können. Zudem muss zwischen Anfragen und ausgeführten Aufträgen ein angemessenes Verhältnis bestehen (order-to-trade-ratio). Vorgesehen ist auch, die Nachkommastellen der Börsenkurse zu reduzieren.

Finanz-Staatssekretär Hartmut Koschyk sagte in der Debatte, das Gesetz sei ein weitere Baustein in der Brandmauer gegen Gefahren aus dem Finanzsektor, die die Bundesregierung errichtet habe. SPD und Grüne warfen der Koalition dagegen vor, eine effektive Kontrolle zu verhindern. Der SPD-Finanzexperte Carsten Sieling sagte, ein wirkungsvolles Instrument wäre eine Mindesthaltedauer von 500 Millisekunden gewesen, wie sie auch das Europäische Parlament gefordert hatte. Der Grünen-Abgeordnete Gerhard Schick kritisierte zudem, dass die Händler selbst ihre Computermodelle testen sollten und nicht die BaFin.

Mit dem Gesetz prescht die Bundesregierung in der EU voran, wo mit Überarbeitung der Finanzmarktrichtlinie MiFID ebenfalls an einer Kontrolle des Turbo-Handels gearbeitet wird. Allerdings dürfte es mindestens noch zwei Jahre dauern, bis die EU-Gesetzgebung abgeschlossen ist. Der Bundesrat, wo Union und FDP keine Mehrheit haben, muss dem deutschen Gesetz nicht zustimmen.