Arbeitsmarkt trotzt der Flaute und dem Winter

Donnerstag, 28. Februar 2013, 15:24 Uhr
 

Nürnberg (Reuters) - Der Arbeitsmarkt hat die kurze Wirtschaftsflaute in Deutschland ohne große Blessuren überstanden.

Während die Rezession in Europa in vielen Staaten Tribut fordert, steigt hierzulande die Erwerbslosigkeit kaum an. Die Zahl der Arbeitslosen legte im Februar nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit (BA) vom Donnerstag nur leicht um 18.000 auf 3,156 Millionen zu. Unter Herausrechnung des Wintereffekts ging sie den dritten Monat in Folge zurück. Damit steht der Konsumfreude als Stütze der Konjunktur kaum etwas im Weg. Anders in Frankreich: Dort lässt die höchste Arbeitslosigkeit seit 15 Jahren den Konsum sinken.

BA: ANSTIEG DURCH DEN WINTER BEDINGT

"Der Anstieg geht auf winterliches Wetter zurück überwiegend", sagte BA-Chef Frank-Jürgen Weise in Nürnberg. "Damit hat der deutsche Arbeitsmarkt die schwache wirtschaftliche Entwicklung (...) gut verkraftet und zeigt sich insgesamt weiter robust." Anders als noch im Januar befürchtet trieb der Wintereinbruch die Arbeitslosigkeit kaum in die Höhe. Unter Herausrechnung der jahreszeitlichen Einflüsse ging die Arbeitslosenzahl um 3000 zurück. Die Arbeitslosenquote blieb unverändert bei 7,4 Prozent. Positiv ist auch der Trend im Vergleich zum Vorjahr: Im Februar waren zwar 46.000 Arbeitslose mehr registriert als vor einem Jahr. Der Abstand zum Vorjahr verringert sich seit Januar aber wieder.

Volkswirte bei den Banken werteten die Zahlen positiv, zumal die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt die Verbraucherstimmung hebt und über den Konsum somit zur Stärkung der Konjunktur beitragen könnte. Der Arbeitsmarkt bleibe voraussichtlich "weiter eine Stütze des Wachstums", sagte Carsten Brzeski von der ING-Bank. Rainer Sartoris von HSBC Trinkaus erklärte: "In der zweiten Jahreshälfte dürften wieder mehr Jobs entstehen."

Die Wirtschaftsleistung in Deutschland war im Schlussquartal 2012 noch geschrumpft. Für das erste Vierteljahr gehen Forscher indes wieder von einem Wachstumskurs aus.

Erwerbstätigkeit und sozialversicherungspflichtige Beschäftigung haben weiter zugelegt. Im Januar gab es laut Statistikamt rund 41,40 Millionen Erwerbstätige und damit 239.000 mehr als vor Jahresfrist. Sozialabgabenpflichtig beschäftigt waren im Dezember nach einer Hochrechnung der BA 29,14 Millionen und somit 353.000 mehr als ein Jahr zuvor. Beschäftigungszuwächse gab es vor allem bei den wirtschaftlichen Dienstleistungen (ohne Zeitarbeit), im verarbeitenden Gewerbe sowie im Gesundheits- und Sozialwesen. Die konjunkturelle Kurzarbeit bewegt sich laut BA auf normalem Niveau.

EU-ARBEITSMINISTER VEREINBAREN JUGENDGARANTIE

Zur Bekämpfung der hohen Jugendarbeitslosigkeit von gut 23 Prozent in der Europäischen Union (EU) brachten die Arbeits- und Sozialminister der 27 Mitgliedstaaten am Donnerstag eine "Jugendgarantie" auf den Weg. Die Mitgliedstaaten sollen allen EU-Bürgern unter 25 Jahren garantieren, dass sie binnen vier Monaten nach Ausbildungsende oder Jobverlust eine neue Stelle oder zumindest einen Praktikumsplatz haben. In der EU waren im Dezember laut Statistikbehörde Eurostat 5,7 Millionen junge Leute unter 25 Jahren arbeitslos. Deutschland verzeichnet mit einer saisonbereinigten Quote von 8,0 Prozent die geringste Jugendarbeitslosigkeit, während in Griechenland und Spanien die Quote deutlich über 50 Prozent liegt.

 
A heavy traffic is pictured on a snow covered motorway in Bochum February 6, 2013. Heavy snowfalls over the past hours caused over 600 km traffic jams in North-Rhine Westphalia. REUTERS/Ina Fassbender (GERMANY - Tags: ENVIRONMENT TRANSPORT) - RTR3DEGW