Transnet sieht Gefahr von Stellenabbau bei Bahn gebannt

Samstag, 19. Januar 2008, 11:37 Uhr
 

Berlin (Reuters) - Die Bahn-Gewerkschaft Transnet rechnet nicht mehr mit einem Stellenabbau bei dem Unternehmen wegen des Tarifabschlusses für die Lokführer.

Transnet-Chef Norbert Hansen sagte der Zeitung "Die Welt" laut Vorabbericht vom Freitag: "(Bahnchef Hartmut) Mehdorn hat mir gegenüber erklärt, dass er die Ansage, das Beschäftigungsbündnis aufzukündigen, zurücknimmt." Das sei definitiv. Nach Angaben der Gewerkschaft hatten sich Hansen und Mehdorn zu einem persönlichen Gespräch getroffen. Die Bahn erklärte, das Beschäftigungsbündnis laufe bis 2010. Die Bedingungen einer Fortsetzung über 2010 hinaus müssten "im Lichte der wirtschaftlichen Zwänge" mit den Gewerkschaften neu verhandelt werden.

Der Konzern hatte sich am vergangenen Wochenende mit der Lokführergewerkschaft GDL auf Lohnerhöhungen von elf Prozent geeinigt. Kurz danach hatte Mehdorn Stellenabbau und höhere Fahrpreise angekündigt, um Mehrkosten von mehr als einer Milliarde Euro über fünf Jahre wieder hereinzuholen. Dafür war er aus allen politischen Lagern unter Beschuss genommen worden.

Nach einem Vorabbericht der "Süddeutschen Zeitung" bezifferte Mehrdorn in einem Schreiben an die Belegschaft die Mehrkosten durch die Tarifabschlüsse auf 1,6 Milliarden Euro in den nächsten fünf Jahren. "Wir müssen jetzt alle Möglichkeiten zur Gegensteuerung prüfen", zitierte die Zeitung aus dem Brief. Der Chef der Eisenbahner-Gewerkschaft GDBA, Klaus-Dieter Hommel, nannte das Verhalten Mehdorns nach der Einigung mit der GDL nicht nachvollziehbar und einen hilflosen Versuch, ungerechtfertigte Drohungen von Stellenstreichungen aufrecht zu erhalten. Der Bahnvorstand wisse schon seit der Tarifeinigung mit Transnet und GDBA im November und nicht erst seit dem vergangenen Wochenende, dass die Personalkosten stark stiegen, sagte er der "Süddeutschen Zeitung". GDL-Chef Manfred Schell warf Mehdorn im Sender Phoenix vor, im Mitarbeiterbrief mit falschen Zahlen zu operieren.

Hansen sagte, Mehdorn habe ihm zugesagt, "dass die Senkung der Personalkosten nicht die erste und einzige Lösung" für die höheren Personalkosten sei. Jetzt müsse sich der Eigentümer der Bahn, der Bund, ebenfalls darüber Gedanken machen, wie der Konzern die gestiegenen Ausgaben ausgleichen könne. Das Verkehrsministerium lehnte eine Entlastung durch den Bund ab.