Ministerium warnt vor Gefahren für Strom-Versorgungssicherheit

Montag, 11. August 2008, 19:30 Uhr
 

Berlin (Reuters) - Das Wirtschaftsministerium hat vor Engpässen in der Stromversorgung und steigenden Preisen als Folge des zunehmenden Widerstandes in der Bevölkerung gegen neue Kohlekraftwerke gewarnt.

In einem am Montag veröffentlichten Monitoring-Bericht hieß es, angesichts bestehender Investitionsvorhaben sollten bis 2020 ausreichende Erzeugungskapazitäten in Deutschland zur Verfügung stehen. "Allerdings ist nicht auszuschließen, dass es aufgrund der Akzeptanzprobleme bei Kohlekraftwerksinvestitionsvorhaben und der damit verbundenen Verhinderung des Baus neuer effizienter Kraftwerke zu höheren Strompreisen kommen kann mit entsprechenden Auswirkungen auf die Volkswirtschaft." Sollten die Probleme dauerhaft bleiben, seien auch "Versorgungsengpässe für den Zeitraum 2015 bis 2020 nicht auszuschließen".

Wirtschaftsminister Michael Glos folgerte: "Es wäre unverantwortlich, Kohlekraftwerksprojekten, die alle Umweltanforderungen erfüllen, mit Blick auf die CO2-Emissionen die Genehmigung zu verweigern." Damit würde man die Sicherheit der Energieversorgung ohne klimapolitischen Nutzen aufs Spiel setzen. Verzögerungen von Kraftwerksinvestitionen würden auf jeden Fall zu höheren Strompreisen führen, weil dann ältere Kraftwerke mit niedrigerem Wirkungsgrad länger am Netz bleiben müssten. Der Bericht mache darüber hinaus deutlich, dass längere Laufzeiten für Kernkraftwerke die Möglichkeit von Versorgungsengpässen bis 2020 "praktisch ausschließt." Glos fordert seit langem längere Laufzeiten, die SPD lehnt diese jedoch ab.

In dem Monitoring-Bericht wird die immer größer werdende Abhängigkeit von Brennstoffimporten beim Gas als "zunehmend kritisch" bewertet. Es könnten ähnliche Abhängigkeiten wie beim Öl entstehen. Dagegen sei die Importabhängigkeit bei Steinkohle unbedenklich. Zudem sei der Bau neuer und zusätzlicher Netze und Übertragungskapazitäten kurz- und mittelfristig "unbedingt erforderlich". Das gelte auch, weil tendenziell mit einer zunehmenden räumlichen Trennung von Stromerzeugungs- und Strombedarfsschwerpunkten zu rechnen sei.