IG Metall steuert auf hohe Tarifforderung zu

Dienstag, 8. Juli 2008, 19:41 Uhr
 

Hamburg (Reuters) - Angesichts des rasanten Preisanstiegs nehmen in der IG Metall die Erwartungen an einen deutlichen Lohnaufschlag zu.

Vor den im Herbst anstehenden Verhandlungen mit den Metallarbeitgebern mehren sich in der Gewerkschaft Stimmen, die sich für eine möglichst hohe Tarifforderung aussprechen. Die Erwartungen der Mitglieder gingen "klar in die Richtung einer höheren Forderung als 2007, verbunden natürlich mit einem höheren Abschluss als 2007", sagte der IG-Metall-Chef des einflussreichen Bezirks Nordrhein-Westfalen, Oliver Burkhard, der Nachrichtenagentur Reuters am Dienstag.

Um diese Forderung auch bei den Arbeitgebern durchzusetzen, sei die Durchsetzungsfähigkeit der Gewerkschaft entscheidend. "Und diese stelle ich allenthalben fest", sagte Burkhard. "Die Mitglieder sind bereit dafür, die IG Metall ist es auch."

Burkhard schlug damit einen kämpferischeren Ton an als dies zuletzt etwa Bezirkschef Armin Schild getan hatte. "Unsere Orientierungsgröße für den Faktor Teuerung ist grundsätzlich die Zielinflationsrate der Europäischen Zentralbank, die bei zwei Prozent liegt", hatte Schild dem "Handelsblatt" am Montag gesagt. "Es wäre unklug, wenn sich die IG Metall bei ihren Forderungen von kurzfristigen Inflationsziffern abhängig machen würde." Denn damit geriete sie bei eventuell wieder nachlassender Teuerung umso eher unter Druck, Forderungen zurückzuschrauben, warnte der Chef der sogenannten Mittelgruppe aus den Bundesländern Hessen, Rheinland-Pfalz und Thüringen.

Die Verwaltungsstelle Ludwigsburg hatte sich zuvor für Lohnerhöhungen um neun Prozent ausgesprochen. Neben dem dauerhaften Tarifaufschlag verlangten die Delegierten der Ortsgliederung in Baden-Württemberg 1000 Euro Einmalzahlung. Der Betrag für die Monate November bis Januar soll die überdurchschnittlich gestiegenen Preise für Güter des täglichen Bedarfs ausgleichen und käme vor allem unteren Lohngruppen zu Gute. Der unterstellte Zeitraum für die Einmalzahlung deutet darauf hin, dass die Verwaltungsstelle sich auf einen langen Tarifkonflikt einstellt.

Den Streit um eine Anschlusslösung für die Ende 2009 auslaufende Altersteilzeit wollen IG Metall und Arbeitgeber noch vor der Lohnrunde beilegen. Nachdem sie sich im Pilotbezirk Baden-Württemberg Ende Juni nicht hatten einigen können, gibt es bislang noch keinen Termin für ein neues Treffen.

Der aktuelle Lohntarifvertrag für die Branche läuft am 30. Oktober aus. Der IG-Metall-Vorstand will im August eine Forderung empfehlen, über die die Bezirke bis September diskutieren. Erste Verhandlungen sind für Oktober geplant. Diesmal fällt die vierwöchige Friedenspflicht weg, so dass die Gewerkschaft vom 1. November an zu Warnstreiks aufrufen kann.

In der vergangenen Tarifrunde für die 3,5 Millionen Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie hatte die IG Metall 6,5 Prozent gefordert. Nach einer langwierigen Tarifauseinandersetzung mit den Arbeitgebern hatte die Gewerkschaft im Mai 2007 eine Tariferhöhung in zwei Stufen vereinbart. Von Juni vorigen Jahres erhöhten sich die Löhne um 4,1 Prozent, zwölf Monate später - zur Jahresmitte dieses Jahres - stiegen sie um weiter 1,7 Prozent.