Wieder Bahnunfall - Zug fuhr in Kuhherde
Berlin (Reuters) - Drei Tage nach dem ICE-Unfall bei Fulda ist am Dienstag in Thüringen erneut ein Zug in eine Herde gefahren.
Nahe Arnstadt blockierten Kühe die Gleise, ein Regionalzug konnte nicht mehr bremsen, teilte die Bundespolizei Erfurt mit. Bei dem Unfall sei keiner der 30 Passagiere auf der Fahrt von Erfurt nach Würzburg verletzt worden, sagte ergänzend ein Polizeisprecher. Die Fahrgäste hätten ihre Fahrt mit Bussen fortsetzen können.
Die Herde mit 27 Kühen war nach Polizeiangaben von ihrer Weide ausgebrochen und dabei auf die Gleise geraten. Durch den Zusammenprall wurden dreizehn Kühe getötet. Im Gegensatz zu dem Fall bei Fulda entgleiste der Zug nicht. Zwar sei der Schaden am Zug relativ gering, der Triebwagen konnte aber nicht aus eigener Kraft weiterfahren. Der Gleisabschnitt bei Arnstadt wurde zunächst gesperrt, der Zugverkehr wurde am Nachmittag, nachdem alle Kühe eingefangen waren, aber wieder aufgenommen.
SCHNELLSTRECKE ZWISCHEN FULDA UND WÜRZBURG BLEIBT GESPERRT
Die Schnellzugstrecke zwischen Fulda und Würzburg, wo am Samstagabend ein ICE in eine Schafherde gerast war, blieb gesperrt. Bei dem Unfall in einem Tunnel waren 19 Reisende zumeist leicht verletzt worden. Die Schadenshöhe liegt nach Bahnangaben im Millionenbereich. Die Staatsanwaltschaft Fulda ermittelt gegen den Schäfer und die Bahn.
Der Verdacht gegen die Bahn beruht auf einen Vorfall wenige Minuten vor dem Unglück. Ein ICE aus der Gegenrichtung war nördlich des Tunnels in ein Schaf gerast. Der Lokführer meldete nach Bahnangaben den Vorfall, fuhr dann aber weiter, da er nicht mit weiteren Schafen rechnete.
Bahn-Chef Hartmut Mehdorn sah am Dienstag keinen Zusammenhang zwischen beiden Vorfällen. "Wenn da was gewesen wäre, dann hätte der Lokführer Alarm ausgelöst", sagte er. Die Bahn sei in solchen Fällen sehr penibel. Mehdorn wies auch Forderungen nach einer Einzäunung aller Gleise zurück. Nur an Schulen und Kinderheimen könnten Zäune aufgestellt werden. Sonst sei dies nicht zu finanzieren, da schätzungsweise 100.000 Kilometer Zaun nötig wären.
Die Bergungsarbeiten liefen nach Bahnangaben auf Hochtouren. Ein Triebkopf sowie zwei Wagen konnten bislang geborgen werden. Wie lange die Arbeiten noch dauerten, sei nicht abzusehen, teilte die Bahn mit. Schnellzüge zwischen Hamburg und München würden für ihre Fahrt bis auf weiteres 20 bis 40 Minuten länger brauchen als normalerweise.
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