Bundeswehr muss auf Hubschrauber für Afghanistan warten

Donnerstag, 20. März 2008, 19:19 Uhr
 

Berlin (Reuters) - Im Bundestag herrscht Ärger darüber, dass die Umrüstung der für den Afghanistan-Einsatz dringend benötigten Bundeswehr-Transporthubschrauber noch Jahre dauern soll.

Erst ab 2011 würden weitere Helikopter des Typs CH-53 zur Verfügung stehen, die über den nötigen Schutz und die technische Spezialausstattung für den Einsatz am Hindukusch verfügten, antwortete das Verteidigungsministerium auf eine Anfrage der SPD-Abgeordneten Hans-Peter Bartels und Johannes Kahrs. Die Umrüstung lasse sich wegen Kapazitätsproblemen der EADS-Tochter Eurocopter nicht beschleunigen.

Der SPD-Verteidigungsexperte Bartels kritisierte dies am Donnerstag scharf. "Es ist nicht einzusehen, dass die Umrüstung existierender Hubschrauber auf heutige Einsatzerfordernisse länger dauern soll als der Zweite Weltkrieg", sagte er. Zugleich forderte er das Ministerium auf, bei Eurocopter aufs Tempo zu drücken. "Wenn die Industrie erhöhte Nachfrage verzeichnet, sollte sie vielleicht das Angebot erhöhen", erklärte Bartels. Er verwies darauf, dass die Nato fast monatlich zusätzlichen Bedarf für Hubschrauber in Afghanistan melde.

Bisher verfügen nur 20 der insgesamt 89 CH-53 der Bundeswehr über die Schutzvorkehrungen und technischen Umbauten für den Einsatz am Hindukusch. Weitere 40 Hubschrauber sollen dem Ministerium zufolge zwischen 2011 und 2013 umgerüstet werden. Aus dem Schreiben geht zudem hervor, dass Wehrressort darüber hinaus bereits die Umrüstung weiterer Helikopter prüft. Dabei handelt es sich nach Aussage von Bartels noch einmal um sechs oder sieben CH-53. Derzeit hat die Bundeswehr sechs der Transporthubschrauber in Afghanistan im Einsatz.

Auch der neue Transporthubschrauber NH-90 dürfte der Truppe bis auf weiteres keine Entlastung bringen: Erst ab etwa 2011 sei "mit der Möglichkeit einer Verwendung des NH-90 und damit einer Entlastung in den Einsatzgebieten zu rechnen", stellte das Ministerium in seiner Antwort fest. Die Bundeswehr hat bei Eurocopter 80 Hubschrauber dieses Typs bestellt. Das Projekt ist jedoch seit längerem im Verzug.

Bei der Beschaffung eines neuen Helikopters für die Marine erwägt das Verteidigungsministerium unterdessen Alternativen zu dem bisher angestrebten Kauf von 30 MH-90 bei Eurocopter. Weil das Modell noch immer nicht marktreif sei, würden verfügbare Hubschrauber wie der CH-148 von Sikorsky sowie Ersatzlösungen für Radar und Avionik beim MH-90 untersucht, antwortete das Ministerium auf eine weitere SPD-Anfrage. Bartels begrüßte dies ausdrücklich. "Die Geduld mit dem MH-90-Projekt hat Grenzen", erklärte er.