Merkel fürchtet um Sicherheit wegen Nahrungsmittelkrise
Berlin (Reuters) - Bundeskanzlerin Angela Merkel hat vor dem G8-Treffen in Japan vor einer Gefahr für die Sicherheit als Folge einer andauernden Nahrungsmittelkrise gewarnt.
Zugleich kündigte sie Medienberichten zufolge ein Maßnahmenpaket zur globalen Ernährungssicherung an, das auf ein Konzept der Bundesregierung zurückgeht.
Die Lebensmittelkrise könne "die Demokratisierung gefährden, Staaten destabilisieren und sich zu internationalen Sicherheitsproblemen auswachsen", zitierte das Magazin "Der Spiegel" aus einem sechsseitigen Papier, das Merkel vor dem Gipfel an ihre Kollegen geschickt habe. Wegen der hohen Preise für Lebensmittel gab es in einigen Ländern bereits Krawalle.
Einer von Merkel eingesetzten Arbeitsgruppe zufolge hätten spekulative Handelsgeschäfte mit Terminkontrakten "einen signifikanten Einfluss auf die Höhe und Fluktuation der Nahrungspreise", berichtete der "Spiegel". Die Kommission empfehle daher eine Steigerung der Agrarproduktivität in den Entwicklungsländern, die schnelle Versorgung ausgewählter Regionen mit Saatgut, Dünger und landwirtschaftlichen Geräten sowie die sofortige Aufhebung von Exportbeschränkungen.
Merkel habe zudem angekündigt, dass Deutschland in diesem Jahr 750 Millionen Dollar für die Lebensmittelversorgung in armen Ländern bereitstellen werde. Insgesamt benötigten die 30 ärmsten Länder der Welt der Kommission zufolge 20 Milliarden Dollar für die Nahrungsmittelversorgung. Merkel wolle auf dem Gipfel in Toyako auch eine Task-Force auf UNO-Ebene durchsetzen und Pläne für das weitere Vorgehen anregen, heißt es in dem Magazinbericht.
Dem "Tagesspiegel am Sonntag" sagte Merkel laut Vorabbericht, das Konzept der Bundesregierung sehe "eine kurzfristige Linderung der akuten Ernährungslage, aber auch eine langfristige Strategie zur Steigerung der weltweiten landwirtschaftlichen Produktion" vor.
"Wir werden darüber beraten, wie die Industrieländer den afrikanischen Ländern bei der Stärkung ihrer eigenen bäuerlichen Landwirtschaft helfen können", sagte Merkel am Samstag in ihrer wöchentlichen Video-Botschaft im Internet. "Wir werden auch darüber sprechen, welche Standards wir beim Anbau von Biokraftstoffen brauchen, damit hier keine Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion entstehen kann."
Unter den Industrieländern und mit den Schwellenländern werde man zudem beraten, was sich gegen steigende Energiepreise unternehmen lasse, "in welchem Umfang es möglich ist, Spekulationen einzudämmen und die Fördermengen mit den Nachfragemengen in Übereinstimmung zu bringen", sagte Merkel.
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