Koalition will Krebsvorsorge stärken
Berlin (Reuters) - Die Bundesregierung will durch mehr Vorsorge der steigenden Zahl an Krebserkrankungen begegnen.
Gesundheitsminister Daniel Bahr kündigte am Dienstag an, künftig sollten alle Bürger per Brief an Früherkennungsuntersuchungen erinnert werden. "Ziel ist, dass jeder zu der für ihn sinnvollen kostenlosen Früherkennung eingeladen wird", sagte Bahr der "Bild"-Zeitung. Frauen würden ohnehin schon ab dem 50. Lebensjahr alle zwei Jahre zur Brustkrebsfrüherkennung eingeladen. Auch die Männer sollten etwa von den Kassen Post bekommen und zur Darmkrebsfrüherkennung gehen. "Geht man nicht zur Vorsorge, wird man später wieder daran erinnert", sagte der FDP-Politiker.
Der CDU-Gesundheitsexperte Jens Spahn betonte, die Krebsvorsorge müsse einen ähnlichen Stellenwert bekommen wie die Zahnvorsorge. Bei dieser sei es im Kopf fast jedes Deutschen, dass er regelmäßig an Kontrolluntersuchungen teilnehme. "Wir müssen auch bei der Krebsvorsorge dahin kommen, dass empfohlene Vorsorgeuntersuchungen auch stattfinden."
Spahn wollte jedoch nicht so weit gehen und wie bei den Zahnuntersuchungen Zuschüsse der Kassen daran koppeln. Er verwies darauf, dass es schon jetzt für chronisch Kranke eine Belastungsobergrenze bei Zuzahlungen von einem Prozent des Bruttoeinkommens gebe. Bedingung für diese "Chroniker-Regelung" ist jedoch, dass Betroffene vor Eintritt der Krankheit regelmäßig an Früherkennungsuntersuchungen teilgenommen haben. Es müsse jetzt dafür Sorge getragen werden, dass diese Regelung von den Krankenkassen auch angewendet werde.
Bahr will zudem die Krebs-Register der Kliniken flächendeckend ausbauen. Dies werde Thema der Gesundheitsministerkonferenz im Sommer sein. Er selbst wolle noch dieses Jahr die Grundlage für eine einheitliche Umsetzung schaffen. Ein klinisches Krebs-Register stelle Transparenz her und schaffe Vergleichbarkeit.
Rund eine halbe Million Menschen erkranken in Deutschlands jedes Jahr an Krebs. Ab Mittwoch treffen sich in Berlin Experten zum größten europäischen Krebskongress.
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