Zentralbank: Schlimmste der Krise in Russland vorbei

Freitag, 27. März 2009, 15:39 Uhr
 

Moskau (Reuters) - Russland hat nach Einschätzung der Zentralbank das Schlimmste in der gegenwärtigen Wirtschaftskrise hinter sich.

Der Kapitalabfluss ebbe ab, und Ausländer investierten wieder in Aktien in Russland, sagte der erste Zentralbank-Vize Alexej Uljukajew am Freitag in einem Interview dem Radiosender Echo Moskau. "Ich denke, die schärfste Phase der Krise ist überstanden." Zwar sei die Inflation weiterhin hoch und die Industrieproduktion gehe zurück, aber die Lage sei stabil. Zugleich signalisierte Uljukajew Zinssenkungen in den kommenden Monaten. Davon könne die heimische Wirtschaft profitieren.

Ein Einbruch des Wachstums und ein Verfall der Landeswährung Rubel hat Russland in den vergangenen Monaten in eine schwere Krise gestürzt und die Popularität von Ministerpräsident Wladimir Putin auf die Probe gestellt. Die Zentralbank stützte die Landeswährung mit massiven Interventionen, um eine Wiederholung der Russlandkrise von vor zehn Jahren zu verhindern. Dazu gehörte auch ein vergleichsweise hoher Leitzins. Allerdings deute sich nun eine Abkühlung bei der Inflation ab, sagte Uljukajew. Derzeit liegt die Teuerungsrate ungefähr bei 13 Prozent auf Jahresbasis. "Ich denke, dass es ziemlich realistisch ist, im zweiten Quartal eine Kürzung des Leitzinses zu erwarten", sagte er. "Der Schritt wird klein sein, aber er ist wichtig, um einen Trend zu signalisieren." Derzeit liegt der Leitzins bei 13 Prozent und damit deutlich höher als in den meisten anderen Industrie- und Schwellenländern.

Innerhalb der russischen Regierung ist umstritten, ob tatsächlich der Tiefpunkt der Krise erreicht ist. Manche verweisen auf den zuletzt wieder gestiegenen Ölpreis, der den Rubel und die Aktienkurse stützt und so die Wirtschaft in Russland belebt. Andere wie Finanzminister Alexej Kudrin betonen dagegen, dass es für eine Entspannung zu früh sei.