Kreise: EZB will Pfandbriefkäufe bei Bedarf ausweiten

Mittwoch, 27. Mai 2009, 19:34 Uhr
 

(Reuters) - Die EZB will für ihre unkonventionelle Geldpolitik womöglich tiefer in die Tasche greifen als bislang geplant.

Falls die veranschlagten 60 Milliarden Euro für den Ankauf von Pfandbriefen und anderen forderungsbesicherten Wertpapieren nicht ausreichen sollten, sei man offen für eine Ausweitung des Programms, erfuhr Reuters am Mittwoch aus europäischen Zentralbankkreisen.

EZB-Präsident Jean-Claude Trichet hatte nach der jüngsten Zinssitzung von einem geplanten Ankauf-Volumen von 60 Milliarden Euro gesprochen. Danach war jedoch eine öffentliche Debatte darüber entbrannt, ob die Summe ausreichen wird. Details zu dem Programm sollen nach der nächsten EZB-Zinssitzung am kommenden Donnerstag bekanntgegeben werden.

"Falls es mit den 60 Milliarden Euro funktioniert, würde sich wohl niemand gegen die Idee sperren, dass es auch mehr sein kann", hieß es nun in Zentralbankkreisen. Die EZB will mit den Wertpapierankäufen frisches Geld in die Wirtschaft pumpen, die unter der globalen Nachfragekrise leidet.

Von Reuters befragte Ökonomen sind uneins, ob die Währungshüter ihr geplantes Ankaufprogramm für Pfandbriefe tatsächlich noch ausweiten werden. 32 von 62 Experten gehen davon aus, dass die Zentralbank noch tiefer in die Tasche greifen wird als bislang angekündigt. 17 Fachleute erwarten sogar, dass die EZB letztlich Papiere im Volumen von 120 Milliarden Euro aufkaufen wird, um die Wirtschaft zu stützen.

Trotz der schweren Wirtschaftskrise wird die EZB den Leitzins nach Ansicht von Experten kommende Woche nicht weiter senken. 76 von 78 befragten Ökonomen erwarten, dass die Währungshüter das für die Euro-Zone beispiellos niedrige Zinsniveau von 1,0 Prozent nicht antasten werden. Nur zwei Experten gehen von einer Senkung aus. Mehrere Notenbanker hatten das Zinsniveau zuletzt als angemessen bezeichnet.

Die meisten Fachleute gehen sogar davon aus, dass der Leitzins bis Ende nächsten Jahres konstant bleibt. Der Hamburger Wirtschaftsprofessor Thomas Straubhaar sieht eine solche Geldpolitik mit großer Skepsis: "Anfang 2010 müsste die Zentralbank die Zinsen sehr schnell nach oben setzen", sagte der Chef des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts (HWWI) zu Reuters. Straubhaar geht davon aus, dass die Hauptgefahr für die Preisstabilität in einer raschen Ausweitung der Geldmenge lauert. Die gebeutelten Kreditmärkte würden wahrscheinlich Ende dieses Jahres wieder besser funktionieren und viel Liquidität in den Wirtschaftskreislauf pumpen, sagte Straubhaar. Darauf müsse die Notenbank Anfang nächsten Jahres mit einem Anziehen der geldpolitischen Zügel reagieren.