Erholung bei Dienstleistern gerät ins Stocken

Freitag, 3. Juli 2009, 15:56 Uhr
 

Berlin (Reuters) - Die Erholung bei den Dienstleistern in der Euro-Zone ist im Juni ins Stocken geraten.

Die Geschäfte der Firmen schrumpften wieder etwas stärker als im Mai, wie aus einer Markit-Umfrage unter etwa 2000 Betrieben hervorgeht, die am Freitag veröffentlicht wurde. In Deutschland setzte sich die Rezession mit unveränderter Geschwindigkeit fort. Experten sehen die Erholung damit aber nicht am Ende. Der Aufstieg aus dem Konjunkturtal verlaufe sehr zäh, sei aber in Gang, sagte Postbank-Expertin Fabienne Riefer.

Verglichen mit dem Jahresauftakt hat die Rezession kräftig an Schärfe verloren. Inzwischen sind die Markit-Einkaufsmanagerindizes, die die Entwicklung im Service-Sektor widerspiegeln, deutlich über das Niveau vom Jahreswechsel gestiegen. In Deutschland verharrte das Barometer bei 45,2 Punkten, lag damit aber auf einem Siebenmonatshoch. In der Euro-Zone gab der Index dagegen auf 44,7 Punkte von 44,8 Zählern nach und entfernte sich wieder etwas von der Marke von 50 Punkten, ab der Wachstum angezeigt wird.

Die Daten signalisierten, dass die jüngste Erholung an Schwung verloren habe, sagte Markit-Chefvolkswirt Chris Williamson. Zwar werde sich der Sektor im dritten Quartal weiter in die richtige Richtung bewegen. "Aber Hoffnungen auf eine schnelle Rückkehr zur Stabilität in der Euro-Zone haben mit diesen Zahlen einen Dämpfer erhalten."

Angesichts der milliardenschweren Konjunkturprogramme und der Geldspritzen der Europäischen Zentralbank (EZB) steigt aber die Zuversicht der Firmen, dass die Geschäfte binnen zwölf Monaten wieder anziehen. Der entsprechende Indikator erreichte den höchsten Wert seit fast zwei Jahren. Die Unternehmen begründeten ihren Optimismus auch mit der Hoffnung auf eine steigende Nachfrage der Kunden und der Einschätzung, dass das Schlimmste der Rezession vorbei sei. Derzeit leiden sie zwar nach wie vor unter rückläufigen Aufträgen, das Minus war aber so niedrig wie seit Oktober nicht mehr. Zudem entspannte sich die Auftragslage schon den vierten Monat in Folge.

Zu Jahresauftakt war die Wirtschaftsleistung in der Euro-Zone mit 2,5 Prozent so stark geschrumpft wie nie zuvor. Für das Frühjahrsquartal erwarten Experten erneut ein Minus, das aber deutlich geringer ausfallen dürfte. Für die letzten drei Monate des Jahres ist wieder Wachstum in Sicht.

In Deutschland sank das Bruttoinlandsprodukt sogar um 3,8 Prozent. Wichtigster Grund für die Rezession ist der Einbruch des Welthandels, der der Industrie schwer zu schaffen macht. Zu Jahresauftakt traf es die Dienstleister dagegen deutlich weniger stark als die Industrie; die Umsätze der Unternehmen sanken lediglich um 4,6 Prozent, während die Erlöse im Verarbeitenden Gewerbe um 22,7 Prozent einbrachen. Experten führten das auf die deutlich geringere Exportabhängigkeit des Sektors zurück.