USA wollen Handel mit Risiko-Wertpapieren kontrollieren

Freitag, 10. Juli 2009, 19:14 Uhr
 

Washington (Reuters) - Gegen Widerstände aus der Wirtschaft soll in den USA der Handel mit riskanten Finanzinstrumenten strikter staatlicher Aufsicht unterworfen werden.

Finanzminister Timothy Geithner legte am Freitag Vorschläge zur Regulierung von Derivaten vor, die am außerbörslichen Markt gehandelt werden. "Unsere Pläne werden Marktmanipulationen und Betrug einen Riegel vorschieben, da die Aufsichtsbehörden mit umfassenden Informationen über das Geschehen am außerbörslichen Derivate-Markt versorgt werden", sagte Geithner vor zwei Kongressausschüssen.

Der außerbörsliche, sogenannte Over-The-Counter-Markt (OTC) mit Derivaten umfasst weltweit ein Volumen von 450 Billionen Dollar. Eines der Instrumente ist der Credit Default Swap (CDS), mit dem Kreditrisiken abgesichert werden. Riskante CDS-Geschäfte wären dem US-Versicherungskonzern AIG in der Finanzkrise fast zum Verhängnis geworden, wenn der Staat nicht als Nothelfer eingesprungen wäre. Die von traditionellen Anlageformen abgeleiteten OTC-Finanzinstrumente sind nicht standardisiert. Sie werden direkt zwischen den Marktteilnehmern gehandelt. Dies bedeutet, dass es an Transparenz mangelt und in der Regel keine zentrale Verrechnungsstelle Ausfallrisiken auffängt.

Hier will die US-Regierung jetzt ansetzen und beispielsweise großen Finanzinstituten bei den OTC-Geschäften stärker auf die Finger schauen: Die Wertpapieraufsicht SEC soll den Regierungsvorschlägen zufolge den Banken unter anderem Berichts- und Dokumentationspflichten auferlegen können. In den USA kontrollieren vier Großbanken mehr als 90 Prozent des Derivatehandels: JPMorgan Chase, Goldman Sachs, die Bank of America und die Citigroup.

GEGENWIND AUS DER WIRTSCHAFT

Einem Bericht des "Wall Street Journal" zufolge regt sich in der Wirtschaft erheblicher Widerstand gegen die Regulierung dieses bislang weitgehend unbeaufsichtigten Marktsegments. Mehr als 40 Unternehmen außerhalb des Finanzsektors laufen demnach Sturm gegen die Pläne und richten ihre Hoffnung auf eine Entschärfung der Regeln im US-Kongress. Die Zeitung berichtete, Firmen könnten bei zu starker staatlicher Kontrolle des OTC-Derivatesektors beispielsweise ihre Kursabsicherungsgeschäfte ins Ausland verlagern.

Mit einer umfassenden Reform will US-Präsident Barack Obama Lehren aus der Finanzkrise ziehen. Obama will nachvollziehbare "Verkehrsregeln" für den gesamten Finanzsektor und eine verschärfte Aufsicht faktisch aller Bereiche, die als Auslöser für die Turbulenzen an den Märkten gelten. Die neuen Regeln sollen rasch umgesetzt werden; Regierungskreisen zufolge noch bis zum Jahresende. Allerdings muss das Reformpaket noch vom Repräsentantenhaus und vom Senat gebilligt werden.