Singapur nährt Hoffnung auf globale Erholung

Dienstag, 14. Juli 2009, 15:15 Uhr
 

Singapur/Dschidda (Reuters) - Die asiatische Handelsmetropole Singapur hat sich aus ihrer Schockstarre gelöst und Hoffnungen auf eine Erholung der Weltwirtschaft genährt.

Im zweiten Quartal wuchs die Wirtschaft aufs Jahr hochgerechnet überraschend stark um 20,4 Prozent, wie der Inselstaat am Dienstag mitteilte. Zuvor hatte die Rezession den einstigen "Tigerstaat" vier Quartale lang fest im Griff gehalten. Experten setzen darauf, dass weitere asiatische Schwellenländer demnächst ebenfalls mit positiven Nachrichten aufwarten werden: So könnte China mit anziehendem Wachstum allmählich wieder zum Schrittmacher der Weltwirtschaft werden.

Zu Jahresbeginn hatte das Reich der Mitte nur ein mageres Plus beim Bruttoinlandsprodukt von 6,1 Prozent erreicht. Die Regierung in Peking hat allerdings ein ehrgeiziges Wachstumsziel von acht Prozent ausgegeben: Diese Marke könnte bei den für Donnerstag anstehenden Daten für das zweite Quartal annähernd erreicht werden.

Laut US-Finanzminister Timothy Geithner lässt die "Wucht der globalen Rezession" bereits nach. Es werde aber noch eine "beachtliche Zeit" dauern, bis die Weltwirtschaft auf den Pfad eines nachhaltigen Wachstums zurückfinde, sagte der Minister bei einem Besuch in Saudi-Arabien. Für dieses Jahr erwartet die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) ein Schrumpfen der globalen Wirtschaftsleistung um 2,2 Prozent. Nächstes Jahr soll es wieder ein Plus von 2,3 Prozent geben.

Auch Singapurs Aussichten sind nach Ansicht von Ökonomen nicht so rosig wie die Konjunkturdaten auf den ersten Blick vermuten lassen: Das Wachstum im zweiten Quartal sei vor allem durch die Exporte der Pharmaindustrie getrieben worden, die traditionell schwankungsanfällig ist. "Die Nachfrage auf den wichtigen Exportmärkten wie den USA und Europa ist immer noch schwach", sagte Volkswirt Chow Penn Nee von der United Overseas Bank. US-Finanzminister Geithner ist jedoch optimistisch, dass das 787 Milliarden Dollar schwere Konjunkturprogramm in den kommenden sechs Monaten die einheimische Wirtschaft anschieben wird. Eine Erholung hänge zudem von der Stabilisierung des US-Finanzsystems ab: "Ohne die Wiederherstellung der Institutionen und Märkte, die für die Kreditversorgung entscheidend sind, ist keine Erholung möglich."