Wirtschaftsministerium sieht Zeichen für Stabilisierung
Berlin (Reuters) - Die Aussichten für die Konjunktur in Deutschland haben sich nach Einschätzung des Wirtschaftsministeriums verbessert.
Vieles spreche für eine Stabilisierung der Wirtschaft im zweiten Quartal, teilte das Ministerium am Freitag mit. Dabei profitiere die Industrie von der anziehenden Nachfrage, auch aus dem Ausland. Zudem machten sich im Inland die Impulse der Konjunkturpakete bemerkbar. Der Konsum profitiere von den staatlichen Hilfen, den stabilen Preisen und dem bislang vergleichsweise robusten Arbeitsmarkt. Allerdings dürften hier die Belastungen in den kommenden Monaten zunehmen, betonte das Ministerium.
Die weltweite Wirtschaft zeige ebenfalls Anzeichen für eine allmähliche Stabilisierung. So habe sich der Auftragseingang aus dem Ausland deutlich belebt. "Die Nachhaltigkeit dieser Entwicklung bleibt jedoch abzuwarten", teilte das Ministerium weiter mit. Entscheidend für die weitere Entwicklung sei auch die Lage an den internationalen Finanzmärkten. Die Situation habe sich zwar angesichts der anhaltend massiven Stützungsmaßnahmen beruhigt, viele Probleme bestünden aber weiterhin. "Die konjunkturellen Risiken bleiben daher hoch."
Aus Regierungskreisen hatte es zuletzt geheißen, dass es bei der Wirtschaftsleistung im Frühjahr eine "schwarze Null" geben könnte. Von Reuters befragte Analysten erwarten dagegen ein Minus von 0,4 Prozent und erst für das gerade begonnene Sommerquartal ein Wachstum von 0,2 Prozent. Ein Plus beim Bruttoinlandsprodukt hatte es zuletzt Anfang 2008 gegeben. Zum Jahresauftakt war das Bruttoinlandsprodukt mit 3,8 Prozent so stark geschrumpft wie noch nie seit Beginn der Datenerhebung.
STEIGENDE ARBEITSLOSIGKEIT DÄMPFT KONSUM
Die Industrie hatte zuletzt deutlich mehr Aufträge erhalten und die Produktion so stark gesteigert wie seit 1993 nicht mehr. Vor allem die Autohersteller profitierten von der Abwrackprämie für Altautos. "Auch die weniger pessimistische Stimmung in der Wirtschaft spricht dafür, dass die Industrie den Boden erreicht hat", erklärte das Ministerium. Der Bau dürfte zudem von den Konjunkturpaketen profitieren.
Auf den Konsum kämen im Jahresverlauf jedoch Belastungen zu, wenn sich die Lage auf dem Arbeitsmarkt verschlechtere, hieß es weiter. Durch den Einsatz von Kurzarbeit sind viele Unternehmen bislang um Entlassungen herumgekommen. Doch das dürfte sich in den kommenden Monaten ändern, wenn die Nachfrage nicht deutlich anziehe. Die Bundesregierung geht davon aus, dass im kommenden Jahr im Schnitt 4,6 Millionen Menschen ohne Arbeitsplatz sein werden - etwa 900.000 mehr als 2009.
Deutschland steckt in der schwersten Wirtschaftskrise seit den 1930er Jahren. Regierung und Forschungsinstitute erwarten ein Schrumpfen der Wirtschaftsleistung um etwa sechs Prozent. Auch für das kommende Jahr ist keine deutliche Belebung in Sicht.
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