EZB will bald Geldspritzen aus der Hand legen
Frankfurt (Reuters) - EZB-Präsident Jean-Claude Trichet hat Finanzmärkte und Banken auf den geordneten Rückzug der Notenbank nach der Rezession vorbereitet.
"Die erweiterte Kreditunterstützung ist nicht für die Ewigkeit", sagte der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB) am Donnerstag in Frankfurt. Details, wann und wie die hoch dosierten Geldspritzen zur Stützung der Konjunktur abgesetzt werden können, will Trichet im Dezember nachliefern.
Da die Erholung spürbar, aber noch fragil sei, bleibe das rekordniedrige Leitzinsniveau von einem Prozent "angemessen", sagte Trichet. Die EZB habe einige Verbesserungen der wirtschaftlichen Lage wahrgenommen und sei "zufrieden", wie die Märkte rund ein Jahr nach dem Schock der Pleite von Lehman Brothers wieder funktionierten. Die Euro-Zone werde sich im kommenden Jahr wohl schrittweise von der schwersten Krise seit Jahrzehnten erholen. Der Weg zurück zur Normalität bleibe jedoch weiterhin "holprig".
Trichet deutete an, dass einige der Nothilfen, die die EZB ergriffen hatte, in der Zukunft unter bestimmten Umständen nicht mehr gebraucht würden. Ob die Zentralbank, wie vergangene Woche von Bundesbank-Chef Axel Weber angedeutet, als ersten Schritt des Ausstiegs aus der Krisenpolitik des billigen Geldes ihre auf ein Jahr laufenden Refinanzierungsgeschäfte einstellen könnte, wollte Trichet nicht sagen. Er ließ aber durchblicken, dass dies die wahrscheinlichste Option ist: "Soweit ich das sehe, erwartet der Markt derzeit nicht, dass wir die Einjahres-Operationen über das, was bisher beschlossen wurde, hinaus verlängern. Ich werde nichts sagen, was dieser Einschätzung zuwider läuft."
Wegen der Krise hat die EZB ähnlich wie andere Notenbanken auch die Geldschleusen immer weiter geöffnet. Mittlerweile stellt sie dem Finanzsystem Liquidität bis zu einem ganzen Jahr zur Verfügung. In normalen Zeiten führt eine Notenbank die Kreditinstitute an einer viel kürzeren Leine. Im Falle der EZB konnten sich die Banken in der Euro-Zone vor der Krise für maximal drei Monate Geld bei der Zentralbank leihen. Beim ersten Jahrestender im Juni hatten sich die Geldhäuser wegen der damals noch massiven Verunsicherung mit fast einer halben Billion Euro eingedeckt. Bereits im September bei der zweiten derartigen Operation war die Nachfrage nach dem EZB-Geld deutlich niedriger.
Während die Notenbank der europäischen Währungsunion sich langsam aber sicher dem Ende der ultra-lockeren Geldpolitik zu nähern scheint, geht die Bank von England nochmals in die Vollen. Sie stockte am Donnerstag ihr eigentlich bereits abgeschlossenes Programm zum Kauf von Wertpapieren nochmals um 25 auf nun 200 Milliarden Pfund auf. Damit will sie der lahmenden Wirtschaft wieder auf die Beine helfen. Die britische Wirtschaft windet sich noch immer im Würgegriff der Rezession, während andernorts das Schlimmste überstanden scheint.
Experten warnen jedoch davor, zu früh den Sieg über die Krise auszurufen, weil in erster Linie die milliardenschweren Konjunkturprogramme und die Notfallmedizin der Zentralbanken die Wirtschaft auf zittrigen Beinen hielten. Nach Ansicht von Klaus Zimmermann, dem Präsidenten des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), dürfte die EZB deshalb ihren Leitzins noch länger niedrig halten. "Sie kann das tun, weil die Konjunkturerholung noch auf wackligen Beinen steht und die Inflationsgefahr begrenzt ist. Es gibt es keinen Grund, nervös zu werden und die Zinsen zu erhöhen", sagte er zu Reuters.
Auch auf der anderen Seite des Atlantiks hat man mit Zinserhöhungen keine Eile. US-Notenbankchef Ben Bernanke erklärte am Mittwochabend, die Fed Funds Target Rate werde noch "für einen längeren Zeitraum außerordentlich niedrig bleiben". Analysten glauben, dass die Fed im Dezember damit beginnen wird, die Finanzmärkte verbal auf einen langsamen Abschied von der Politik des billigen Geld einzustimmen. Der Leitzins in den USA steht bei kaum über null Prozent und damit so niedrig wie noch nie.
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